Skip to main content
/ 17.06.2013
Oliver Schröm

Stille Hilfe für braune Kameraden. Das geheime Netzwerk der Alt- und Neonazis

Berlin: Ch. Links Verlag 2001; 213 S.; brosch., 15,24 €; ISBN 3-86153-231-X
Das Buch beschreibt einerseits die nachgerade unfassbare Geschichte des Peter Finkelgruen, der über zehn Jahre lang trotz umfangreicher Beweise gegen die Untätigkeit der Behörden ankämpfen musste, bis schließlich die Staatsanwaltschaft München im Dezember 2000 Anklage gegen den mutmaßlichen Mörder seines Großvaters, Anton Malloth, erhob, der Aufseher im Gestapo-Gefängnis "Kleine Festung" in Theresienstadt gewesen war. Diese Geschichte zieht sich leitmotivisch durch das gesamte Buch, in dem die Autoren andererseits detailliert die Verstrickungen, Netzwerke und Einflussnahme der rechten Szene nachzeichnen, wobei zugleich Parallelen der (Nicht)verfolgung Malloths zu Fällen wie beispielsweise Alois Brunner oder Klaus Barbie aufgezeigt werden. Die Netzwerke der Neonazi-Szene reichen in viele gesellschaftliche Bereiche hinein. Zentral ist hier - so die Autoren - die bis 1994 als gemeinnützig anerkannte "Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte", in der Alt- und Neonazis organisiert sind. Diese Vereinigung sorgte - jahrelang steuerbegünstigt - u. a. mit dafür, dass Altnazis sich der Verfolgung entziehen und einen sonnigen Lebensabend geniessen konnten und kümmerte sich zugleich um die Schulung des Nachwuchses. Das Ganze ist nicht nur detailliert recherchiert, sondern zugleich hervorragend geschrieben und spannender als jeder Krimi.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.372.352.331 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Oliver Schröm: Stille Hilfe für braune Kameraden. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15057-stille-hilfe-fuer-braune-kameraden_17097, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17097 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA