/ 11.06.2013
Ralph Sartor
Symbolische Politik. Eine Neubewertung aus prozess- und rezeptionsorientierter Perspektive. Mit einem Geleitwort von PD Dr. Joachim Westerbarkey
Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2000 (DUV: Sozialwissenschaft); 191 S.; brosch., 46,- DM; ISBN 3-8244-4377-5Diss. phil. Münster; Gutachter: J. Westerbarkey. - Wurde symbolische Politik bislang fast ausschließlich im Hinblick auf die Motive der Kommunikatoren untersucht, so stellt der Verfasser die Bewertung der Akte symbolischer Politik durch die Rezipienten ins Zentrum der Betrachtung. In einer prozessorientierten Analyse, die Kommunikation - in Anlehnung an systemtheoretische Überlegungen - als dreistelligen Selektionsprozess, der sich aus Mitteilung, Information und Verstehen zusammensetzt (11), versteht, und die sich mit Politik, Medien und Rezipienten befasst, werden verschiedene Typen symbolischer Politik differenziert. Anhand verschiedener Rezeptionskriterien ordnet das Publikum konkrete Akte symbolischer Politik einem bestimmten Typ zu. Der Verfasser unternimmt den Versuch, zu einer differenzierteren Sichtweise symbolischer Politik zu gelangen, mit der unter anderem die Gleichsetzung mit Schaupolitik beziehungsweise die Definition als das bloße "Gegenteil von substantieller Politik" (159) vermieden wird: Denn nur so sei es möglich, "Akte der Schaupolitik von denen zu trennen, bei denen lediglich die bei massenmedialer Politikvermittlung unumgängliche Komplexitätsreduktion geleistet" (144) werde.
Inhalt: 3. Symbolische Politik: eine theoretisch-funktionale Betrachtung: 3.1 Medien und Politik - eine Problemskizze; 3.2 Symbolische Politik und das politische System; 3.3 Symbolische Politik und das System der Massenmedien; 3.4 Symbolische Politik und das Publikum. 4. Fachliteratur und Forschungsstand: 4.1 Walter Lippmanns Theorie öffentlicher Meinung; 4.2 Die "staatspolitische" Sichtweise; 4.3 Murray Edelmans Konzept symbolischer Politik; 4.4 Ulrich Sarcinellis differenziertes Bild symbolischer Politik; 4.5 Kritik der aktuellen Entwicklungen; 4.6 Zwischenfazit: Versuch einer Typologisierung. 5. Ausdifferenzierung der prozeß- und rezeptionsorientierten Sichtweise: 5.1 Wo entsteht symbolische Politik?; 5.2 Die SPIEGEL-Berichterstattung im Vorfeld des Brüsseler EU-Gipfels - eine Fallstudie; 5.3 Zu einer Ausdifferenzierung der prozeßorientierten Sichtweise; 5.4 Zu einer Ausdifferenzierung der rezeptionsorientierten Sichtweise. 6. Kriterien der Rezeptionsentscheidung: 6.1 Zuordnungsentscheidung: Medien oder Politik als Ursprung?; 6.2 Reflexionsgrad der Bewertungsentscheidung; 6.3 Reflexionsgrad der Rezeption; 6.4 Explorative und habituelle Rezeption: Auswirkungen auf den Reflexionsgrad; 6.5 Explorative und habituelle Rezeption: Auswirkungen auf die Bewertungsentscheidung; 6.6 Soziales Umfeld/soziales Netzwerk des Rezipienten; 6.7 Mittelbarer und unmittelbarer Medieneinfluß; 6.8 Glaubwürdigkeit des massenmedialen Systems; 6.9 Glaubwürdigkeit des politischen Systems; 6.10 Anspruch und Wirklichkeit symbolischer Politik; 6.11 Anlaß und Planungsgrad eines symbolischen Aktes; 6.12 Die Häufigkeit symbolischer Handlungen; 6.13 Weitere Kriterien. 7. Versuch einer kritischen Würdigung; 8. Anhang: Kriterien der Rezeptionsentscheidungen - 15 Thesen.
Tanja Pritzlaff (TP)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen.
Rubrizierung: 2.22
Empfohlene Zitierweise: Tanja Pritzlaff, Rezension zu: Ralph Sartor: Symbolische Politik. Wiesbaden: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12066-symbolische-politik_14392, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14392
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen.
CC-BY-NC-SA