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/ 17.06.2013
Markus Klein

Wählen als Akt expressiver Präferenzoffenbarung. Eine Anwendung der Conjoint-Analyse auf die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft vom 21. September 1997

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2002 (Empirische und methodologische Beiträge zur Sozialwissenschaft 20); 268 S.; brosch., 40,40 €; ISBN 3-631-38757-1
Diss. Köln; Gutachter: W. Jagodzinski, J. Friedrichs. - Klein hat es sich zum Ziel gesetzt, Rational-Choice-Theorien für die Wahlanalyse fruchtbar zu machen. Er stützt seine Arbeit auf eine "Theorie expressiven Wählens", die sich in wesentlichen Punkten von rein instrumentellen Rational-Choice-Theorien unterscheidet. Im ersten Teil führt der Autor die Kernelemente dieser Theorie vor: Demnach hat die Tätigkeit des Wählens für sich genommen einen Wert für den Wähler. Es handelt sich um einen "Akt expressiver Präferenzoffenbarung, der dem Individuum unmittelbaren Konsumnutzen stiftet, der unabhängig ist vom Ausgang der Wahl und der zukünftigen Regierungstätigkeit" (15). Im Rahmen dieses Ansatzes sind politische Inhalte in der Form, wie sie von den Parteien präsentiert und von den Wählern wahrgenommen werden, von besonderer Bedeutung. Daher konzentriert sich Klein bei der Anwendung der aus der Theorie gewonnenen Hypothesen auf die Hamburger Bürgerschaftswahl 1997 auf einen theoretisch wie empirisch relevanten Teilaspekt. Ihm geht es darum, die "individuelle Wahlentscheidung als expressiven 'Konsum' der Wahlplattformen der konkurrierenden Parteien zu rekonstruieren" (73). Zur Gewinnung und Interpretation der mit einer eigens durchgeführten Befragung erhobenen Daten verwendet Klein das Verfahren der "Conjoint-Analyse", das er genau darstellt. Der Hamburger Wahlanalyse wurden die Themen Hafencity, Jugendkriminalität, Flughafen Fuhlsbüttel, SAGA-Wohnungen und Verkehrsberuhigung zugrunde gelegt, da sich diese nach Auswertung von Presseberichten, Wahlprogrammen und Experteninterviews mit Parteivertretern als zentrale Streitfragen des Wahlkampfes darstellten. Affektive Parteibindung erweist sich im Ergebnis als nach wie vor wichtiger Einflussfaktor. Die Stimmeneinbußen, die die SPD bei der Bürgerschaftswahl 1997 in Hamburg erlitt, erklären sich nach dieser Analyse aus der schlechteren Bewertung ihres Wahlprogramms, insbesondere beim Thema Jugendkriminalität. Aus dem Inhalt: 2. Theoretische Vorüberlegungen: Instrumentelle und expressive Rational-Choice-Theorien des Wählerverhaltens; 3. Methodische Vorüberlegungen: Das Räumliche Modell der Parteienkonkurrenz und die Conjoint-Analyse als Instrumente zur Analyse von Policy-Präferenzen; 5.2 Die Wahrnehmung der Parteipositionen hinsichtlich der Streitfragen der Bürgerschaftswahl durch die Hamburger Bürgerinnen und Bürger; 5.3 Die Verbindung der individuellen Conjoint-Analyse und der Perzeptionsanalyse; 5.4 Determinanten der Wahlteilnahme bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 1997; 5.5 Determinanten der Wahlentscheidung bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 1997; 5.5.1 Die subjektive Wahrnehmung und Bewertung der Wahlplattformen und ihr Einfluß auf die individuelle Wahlentscheidung; 5.5.2 Der relative Einfluß der Parteiidentifikation, der Spitzenkandidaten sowie der subjektiven Wahrnehmung und Bewertung der Wahlplattformen auf die individuelle Wahlentscheidung.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.3322.325 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Markus Klein: Wählen als Akt expressiver Präferenzoffenbarung. Frankfurt a. M. u. a.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16482-waehlen-als-akt-expressiver-praeferenzoffenbarung_18927, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18927 Rezension drucken
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