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/ 17.06.2013
Birgit Schwelling

Wege in die Demokratie. Eine Studie zum Wandel und zur Kontinuität von Mentalitäten nach dem Übergang vom Nationalsozialismus zur Bundesrepublik

Opladen: Leske + Budrich 2001 (Forschung Politikwissenschaft 119); 223 S.; kart., 22,50 €; ISBN 3-8100-3117-8
Ausgelöst durch den Zusammenbruch der kommunistischen Regime und die demokratische Umwandlung der davon betroffenen Gesellschaften boomt innerhalb der Politikwissenschaft die Erforschung der Systemwechsel. Zum Allgemeingut gehört das Wissen um die Unsicherheit, die mit dem Systemwechsel und der damit einhergehenden Transformationsprozesse verbunden ist. Diese Unsicherheit wird auf vier aufeinander in vielfältiger Weise bezogenen Ebenen gesehen: Die der "institutionellen Konsolidierung" (die Festlegung zentraler Verfassungsorgane), die der "repräsentativen Konsolidierung" (die Entstehung intermediärer Strukturen), die der "Verhaltenskonsolidierung" (die erreicht ist, wenn kein relevanter Akteur aus Wirtschaft, Militär oder Politik noch gegen die Demokratie vorgehen kann) und die der "Konsolidierung der civic culture" des mentalen Unterbaus der Demokratie. Die Ungleichzeitigkeit dieser Konsolidierung ist immer wieder beschrieben worden. Dabei geht man davon aus, "daß die Stabilität einer politischen Ordnung dann gesichert ist, wenn 'objektives' System und 'subjektive' Einstellungen zu diesem System kongruent sind" (11). Die Arbeit von Schwelling zeichnet sich nun dadurch aus, dass sie den historischen Fall des Systemwechsels zur Bundesrepublik Deutschland untersucht hat, einer Demokratie, die inzwischen stabil scheint wiewohl "der Übergang vom Nationalsozialismus zur Bundesrepublik als ein besonders gravierender und einschneidender Systemwechsel" (12 f.) gelten muss und dieser Wechsel bewerkstelligt werden musste unter der Erschwernis einer "Demokratie ohne Demokraten" (Lepsius). Ihr Ergebnis gibt Anlass zur Hoffnung: "Warum die bundesdeutsche Demokratie dennoch - ohne zunächst besonders ausgeprägte mentale Fundierung - funktionierte, läßt sich nur erklären, wenn man die vorliegenden Ergebnisse an einem mit dem Problemfeld staatlicher 'Vergangenheitspolitik' befaßte, zeitgeschichtliche Forschung anschließt, die aufzeigt, daß im Rahmen der neuentstandenen Ordnung Arrangements getroffen wurden, die mit ihren Leitideen Amnestie und Integration bestimmten Defiziten und Bedürfnissen der neuen Bürger mehr als großzügig entgegenkam." (202) Inhaltsübersicht: Methodologische Grundlagen des narrativen Interviews; Das methodische Vorgehen; Wege in die Demokratie im Spannungsfeld von Wandel und Kontinuität.
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Birgit Schwelling: Wege in die Demokratie. Opladen: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14970-wege-in-die-demokratie_16986, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16986 Rezension drucken
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