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/ 21.06.2013
Andreas Klärner

Zwischen Militanz und Bürgerlichkeit. Selbstverständnis und Praxis der extremen Rechten

Hamburg: Hamburger Edition 2008; 348 S.; geb., 25,- €; ISBN 978-3-936096-93-4
Aus der Perspektive der Bewegungsforschung werden Selbstverständnis und Praxis der gegenwärtigen extremen Rechten untersucht. Dementsprechend stehen Fragen nach der Homogenität oder Heterogenität der Szene, nach Veränderungen von Auftreten und Aktionsformen und nach Interaktionen mit dem gesellschaftlichen Umfeld im Mittelpunkt. Zur Beantwortung wird eine Analyse der Situation auf lokaler Ebene herangezogen. Ein Jahr hat der Autor am täglichen Leben in einer als „A-Stadt“ benannten ostdeutschen Stadt teilgenommen und dort Feldforschung betrieben. Durch verschiedene Methoden der Datenerhebung wurde ein umfangreicher Quellenfundus erschlossen, der unter anderem auf Beobachtungen, Szenepublikationen, vor allem aber Interviews mit Aktivisten aufbaut, die auch Eingang in den Text gefunden haben. Der Schwerpunkt dieser soziologischen Gemeindestudie liegt denn auch auf den politischen Aktivisten der extremen Rechten, auf ihren Profilen, Selbstverständnissen, Motiven und Zielen. Klärner zeichnet detailliert die Entwicklung einer lokalen extrem rechten Szene nach und stellt diese in den Kontext überregionaler Entwicklungen. Aufgrund der Transformationsprozesse im Bereich der Organisations- und Aktionsformen kommt er zu dem Schluss, dass von der organisierten extremen Rechten in Deutschland als einem „sozialen Gebilde mit hohem Innovationspotential“ (290) gesprochen werden kann. Er skizziert das Bild einer äußerst aktiven Bewegung, die auch kreativ in ihren Strategien und durchaus kampagnenfähig ist, deren Anhänger- und Sympathisantenzahlen allerdings stagnieren. Die befristete „taktische Zivilisierung“ (302) – eine Abkehr von Gewalt, um Zugang zu etablierten Foren zu erhalten –, welche der Autor nach öffentlichen Diskussionen im Jahr 2000 feststellte, ließ sich auch andernorts beobachten. Mit dem Erstarken der sogenannten Autonomen Nationalisten sind mancherorts inzwischen allerdings auch andere Entwicklungen zu beobachten. Hier zeigt sich der zeitliche Abstand zwischen Forschung und Veröffentlichung, liegen doch zwischen der Hauptforschungsphase und der Publikation immerhin sechs Jahre.
Jan Schedler (JS)
Diplom-Sozialwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Fakultät für Sozialwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.37 Empfohlene Zitierweise: Jan Schedler, Rezension zu: Andreas Klärner: Zwischen Militanz und Bürgerlichkeit. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29821-zwischen-militanz-und-buergerlichkeit_35327, veröffentlicht am 01.12.2009. Buch-Nr.: 35327 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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