/ 05.06.2013
Robert L. Hutchings
Als der Kalte Krieg zu Ende war. Ein Bericht aus dem Innern der Macht. Aus dem Amerikanischen von Yvonne Badal
Berlin: Alexander Fest Verlag 1999; 490 S.; geb., 58,- DM; ISBN 3-8286-0059-XDer Autor war in den achtziger Jahren stellvertretender Direktor von Radio Free Europe in München und arbeitete danach von 1989 bis 1993 als Deutschland- und Osteuropa-Experte im Nationalen Sicherheitsrat und im State Department in Washington. Das Ende der Teilung Europas hat er somit aus nächster Nähe miterlebt. Sein Buch ist deshalb auch eindeutig aus der amerikanischen Perspektive geschrieben, wobei dies der überragenden Qualität seiner Analyse keinen Abbruch tut. Hutchings gibt detailliert Auskunft über das Zustandekommen und die wichtigsten Elemente des amerikanischen "Grand Design" für die Zeit nach 1989. Er "rekonstruiert das Umfeld, dem Politiker in den USA und in Europa ausgesetzt waren, und beleuchtet die Entscheidungsmöglichkeiten, die ihnen in kritischen Augenblicken zur Verfügung standen" (21). Dabei wird immer wieder deutlich, daß ein permanentes Spannungsverhältnis zwischen den übergeordneten außenpolitischen Leitlinien der USA, also der strategischen Perspektive, und den jeweiligen taktischen Notwendigkeiten bestand. Hutchings Analyse der Spitzengespräche zwischen amerikanischen und europäischen Politikern gibt dafür viele Nachweise. Die Europäer kommen in seiner Untersuchung nicht immer gut weg, am wenigsten die Deutschen. Hutchings läßt mehrfach ein gewisses Mißtrauen, vor allem gegenüber dem damaligen deutschen Außenminister, erkennen und stellt fest, daß "die Beziehungen zwischen den USA und der Bundesrepublik [...] in dieser Zeit um einiges komplizierter [waren], als es das Bild jener nahtlosen Kooperation vermittelte, das Genscher im nachhinein so gerne zeichnete" (158). Sein Urteil über die EG als wesentlichem Partner der amerikanischen Europapolitik fällt geradezu vernichtend aus: Die Unfähigkeit, mit einer Stimme zu sprechen, machte es den Europäern unmöglich, die Schlüsselrolle einzunehmen, die Hutchings gerne von ihnen gesehen hätte. Dies wird vor allem bei der schonungslosen Darstellung des Versagens des Westens in der Krise im ehemaligen Jugoslawien deutlich. Die Diskrepanz zwischen den selbstgestellten Ansprüchen der Europäer und ihren tatsächlichen Fähigkeiten war offenkundig. Allerdings verhehlt der Verfasser auch nicht, daß die USA ihren Teil der Verantwortung für das Versagen des Westens insgesamt zu tragen haben. Insgesamt ist Hutchings Buch eine äußerst aufschlußreiche und zudem sehr gut geschriebene Analyse der Stärken und Schwächen westlicher Politik nach dem Ende des Kalten Krieges. Sie wird als solche sicherlich auf lange Zeit Bestand haben.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 4.41 | 4.21 | 2.313 | 2.22 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Robert L. Hutchings: Als der Kalte Krieg zu Ende war. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8060-als-der-kalte-krieg-zu-ende-war_10658, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10658
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M. A., Politikwissenschaftler.
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