/ 22.06.2013
Benjamin Drechsel / Friedrich Jaeger / Helmut König / Anne-Katrin Lang / Claus Leggewie (Hrsg.)
Bilder von Europa. Innen- und Außenansichten von der Antike bis zur Gegenwart
Bielefeld: transcript Verlag 2010 (Europäische Horizonte 6); 344 S.; 32,80 €; ISBN 978-3-8376-1458-9Die Herausgeber betonen, dass das Nachdenken über Europa und den Kern europäischer Identität zwar bis in die Antike zurückreiche, sich bislang jedoch keine widerspruchsfreien Europabilder etabliert hätten. Vorstellungen von Europa trügen vielmehr Entwurfscharakter und seien eine Frage beständiger Aushandlung und (Selbst-)Verständigung statt Ausdruck einer klar identifizierbaren Wirklichkeit. Entsprechend vielfältig sind die im Buch versammelten Zugänge zur Wahrnehmung Europas, die eine „multiperspektivisch gebrochene und zugleich erweiterte Sicht auf Europa“ (24) ermöglichen sollen. Die Beiträge gruppieren sich in drei Hauptkapitel über den historischen Wandel der Europabilder, den außereuropäischen Blick und bildsprachliche Deutungsversuche. Eine gute Überblicksdarstellung – wenn auch ohne neue Erkenntnissse – ermöglicht dabei nur die Teilrubrik über die Entwicklung der europäischen Selbstbilder in Antike, Mittelalter und Neuzeit. Dieses Kapitel schließt mit einer erfreulich selbstverständlichen Integration osteuropäischer Perzeptionen in den ideengeschichtlichen Europadiskurs. Mit der Frage, warum es der Ukraine nicht gelingt, auf der geistigen Landkarte des Westen zu erscheinen, unterstreicht Mykola Riabchuk dabei die Aktualität der seit dem 19. Jahrhundert geführten Debatte über die Zugehörigkeit der Ostslaven zu Europa. Obgleich auch zwischen den Artikeln der beiden anderen Kapitel sinnbildende Zusammenhänge erkennbar sind, können diese Abschnitte angesichts der schier uferlosen Thematik weit weniger Vollständigkeit beanspruchen und illustrieren eher beispielhaft Forschungssujets im Europadiskurs. Aufgrund des Primats historischer und kulturwissenschaftlicher Forschungsansätze mag der Band nur partiell – etwa durch Christian D. Falkowskis Analyse der EU-Außenbeziehungen – von genuin politikwissenschaftlicher Relevanz sein. Auf der Suche nach dem Kern europäischer Identität als notwendige Begründungsvariable für die weitere politische Integration lohnt ein Blick in benachbarte Disziplinen jedoch allemal. Der Band vereint Beiträge der beiden Tagungen „Europabilder im Wandel der Geschichte“ sowie „Europabilder: Innen- und Außenansichten“, die das Koordinationsbüro Europäische Horizonte in den Jahren 2007 und 2008 in Aachen und Essen veranstaltete.
Andrea Priebe (AP)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 3.1 | 3.6 | 2.23 | 2.61 | 2.63 | 2.64 | 2.65 | 2.67 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Andrea Priebe, Rezension zu: Benjamin Drechsel / Friedrich Jaeger / Helmut König / Anne-Katrin Lang / Claus Leggewie (Hrsg.): Bilder von Europa. Bielefeld: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32807-bilder-von-europa_39180, veröffentlicht am 08.12.2010.
Buch-Nr.: 39180
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M. A., Politikwissenschaftlerin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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