/ 07.06.2013
James Smith
Biotreibstoff. Eine Idee wird zum Bumerang. Aus dem Englischen von Hans-Gerd Koch
Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 2012; 142 S.; überarb. Ausgabe; geb., 15,90 €; ISBN 978-3-8031-3644-2„Wissenschaft von der und Investitionen in die Technologie von Biotreibstoff prägen, verklären und verlagern die damit verbundenen Risiken in bestimmte Regionen, Länder und Gemeinschaften“, schreibt James Smith, Professor of African and Development Studies, University of Edinburgh. „Diese Risiken werden entweder kaum begriffen, unterschätzt oder im Vergleich zu den vermeintlichen Vorteilen für akzeptabel gehalten, was zum Teil daran liegt, wer in Gefahr gerät.“ (19) In diesem schmalen, gleichwohl aber sehr gehaltvollen Band erläutert Smith wesentliche Aspekte, die zur Beurteilung der Sinnhaftigkeit von Biotreibstoff hilfreich sind – aus globaler Perspektive und zugleich mit Blick auf das Schicksal vieler einzelner Länder. Durch die Produktion von Biotreibstoff, so eine der ersten wichtigen Feststellungen, wurde die Nachfrage nach Rohstoffernten gesteigert, sodass sich die Preise für Grundnahrungsmittel erhöhten. Zudem wurde damit begonnen, Land großflächig nicht mehr für den Anbau von Weizen und Mais zu nutzen, sondern für die Ölsaat. Diese Entwicklung habe trotz der Tatsache stattgefunden – man kann Smiths ungläubiges Kopfschütteln geradezu mitlesen –, dass die Energieleistung des Biotreibstoffs gemessen am Aufwand seiner Herstellung relativ gering sei, vor allem in eher nördlich gelegenen Ländern wie etwa Großbritannien und die USA. Hoffnungen darauf, dass mit diesen Treibstoffen das Ende des Erdölzeitalters in seinen Folgen aufgefangen werden könnte, scheinen zudem unberechtigt: Smith zitiert einen Experten, nach dessen Berechnung „‚die in der gesamten Vegetation der USA enthaltene Energie nur einem Drittel der gesamten Energiemenge entspricht, die in den USA jährlich verbraucht wird’“ (48). Smith weist auch auf die ungeklärte Ökobilanz bei der Verwendung von Biotreibstoffen hin, zu befürchten seien außerdem verkehrte Anreize für Flächenrodungen. Aufschlussreich sind weiterhin seine Ausführungen zu den (politischen) Akteuren, wobei die Produktion von Biotreibstoffen als prototypisch für die Globalisierung erscheint: „Bei der weltweiten Handhabung von Biotreibstoffen lässt sich ein deutlicher Wechsel vom Regierungshandeln zum alternativen Regulierungssystem der Governance erkennen“ – dies sei vor allem für jene Staaten, Gemeinschaften und Interessengruppen gefährlich, „die nicht vernetzt sind, die über keine Macht verfügen und nicht die Fähigkeit besitzen, sich schnell anzupassen“ (81). Gerade aber die Schaffung eines internationalen Marktes verlange, dass über Themen wie Regulierung und Umweltprüfung nachgedacht werde. Bisher sei mit Biotreibstoffen, so sein Fazit, „das Risiko verbunden, dass sie statt Energie ein falsches Gefühl von Nachhaltigkeit erzeugen“ (128).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.45 | 2.261 | 2.341 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: James Smith: Biotreibstoff. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9230-biotreibstoff_43193, veröffentlicht am 31.01.2013.
Buch-Nr.: 43193
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