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/ 21.06.2013
Margaretha Kopeinig / Wolfgang Petritsch

Das Kreisky-Prinzip. Im Mittelpunkt der Mensch

Wien: Czernin Verlag 2009; 239 S.; hardc., 19,80 €; ISBN 978-3-7076-0277-7
Unter Bezugnahme auf die gegenwärtige Finanzkrise beschreiben die Autoren die Voraussetzungen der Vollbeschäftigungspolitik Bruno Kreiskys. Der österreichische Politiker, Bundeskanzler von 1970 bis 1983, reagierte politisch entschlossen auf die wirtschaftlichen Herausforderungen jener Jahre, indem er die Politik eines aktiven Staates betrieb, der den sozialen und ökonomischen Gefährdungen durch den Kapitalismus entgegensteuerte: „Innenpolitische Reformen und Anpassungen an die sich öffnenden Märkte – die Einführung der Mehrwertsteuer und die Individualbesteuerung – schufen die nötige Balance im magischen Viereck Wirtschaftswachstum – Vollbeschäftigung – Preisstabilität – außenwirtschaftliches Gleichgewicht“ (21). Die Grenzen dieser Politik zeigten sich jedoch nach dem zweiten Ölpreisschock: Die Arbeitslosenzahlen stiegen auch in Österreich. Dennoch überstand das Land die wirtschaftlichen Turbulenzen der 70er-Jahre besser als viele andere. Die Autoren führen dies auf die aktive Politik des in die Wirtschaft eingreifenden Staates zurück. Nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers engagierte sich Kreisky als Vorsitzender einer „Unabhängigen Kommission für Beschäftigungsfragen in Europa“ von 1986 bis 1990. Der ehemalige finnische Ministerpräsident Paavo Lipponen führt in einem im Buch abgedruckten Interview aus, dass die Ansätze des Abschlussberichts dieser Kommission, „20 Millionen suchen Arbeit“, nach wie vor aktuell sind. Denn gemäß dem Bericht könne Arbeitslosigkeit zur Destabilisierung der europäischen Politik führen und Lipponen erläutert: „Und so ist es auch gekommen: die ablehnende Haltung gegenüber einer Vertiefung der Zusammenarbeit innerhalb der Union […] liegt in erster Linie an Frustration durch eine schlechte Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik“ (150). Zudem habe der Bericht bereits damals zukunftsweisend auf die Bedeutung von Investitionen für Beschäftigung in Forschung, Bildung, Kultur und insbesondere innovative Umwelttechnologie verwiesen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.42.22 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Margaretha Kopeinig / Wolfgang Petritsch: Das Kreisky-Prinzip. Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29588-das-kreisky-prinzip_35029, veröffentlicht am 03.02.2009. Buch-Nr.: 35029 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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