/ 11.06.2013
Christopher Andrew / Wassili Mitrochin
Das Schwarzbuch des KGB. Moskaus Kampf gegen den Westen
Frankfurt a. M.: Propyläen Verlag 1999; 848 S.; 2. Aufl.; geb., 58,- DM; ISBN 3-549-05588-9Der Ost-West-Konflikt als Krieg der Geheimdienste: Die Geschichte der sowjetischen Versuche, vor allem amerikanische Quellen auszuspähen, beginnt in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Zunächst sind es ideologisch begeisterte Westeuropäer, die sich als sogenannte Illegale für das Geheimdienstgeschäft anbieten. Später, nach den stalinistischen Säuberungen musste der sowjetische Auslandsnachrichtendienst zunehmend auf eigenes Personal zurückgreifen, das - nicht immer erfolgreich - auf komplizierten Wegen in die Zielländer geschleust werden musste. Grundlage für die Darstellung der bisher (naturgemäß) weitgehend unbekannten sowjetischen Geheimdienstgeschichte, die bis zum Zusammenbruch der UdSSR reicht, bilden Auszüge aus dem Geheimdienst-Archiv in Moskau, die der KGB-Agent Mitrochin seit den Siebzigerjahren unter abenteuerlichen Bedingungen anfertigte und bei seinem Überlaufen Anfang der Neunzigerjahre dem britischen Geheimdienst als Morgengabe überreichte. Sicherlich bleiben auch nach der Lektüre viele Fragen ungeklärt, nicht zuletzt deswegen, weil die Angaben sich nur zum Teil durch andere Quellen verifizieren lassen. Allerdings bietet das "Schwarzbuch" keineswegs nur einen spannenden Spionagethriller, sondern vor allem die Einsicht, dass sich die Mächtigen in Ost und West zwar Geheimdienste leisteten, aber oft genug das unter vielfach schwierigen Umständen gesammelte und ausgewertete Material nicht nutzen wollten, mitunter sogar Fehlbewertungen provozierten, weil die ausgespähten Realitäten sich häufig nicht mit den Visionen vom jeweils feindlichen Gegenüber in Einklang bringen ließen. Zumindest beim KGB führte dies häufig dazu, dass seit der Stalinära die Auswertungsspezialisten in der Moskauer Zentrale aus Angst vor einem plötzlichen Karrierewechsel oder gar –ende nur das lieferten, von dem sie glaubten, dass es mit dem Weltbild des jeweiligen Staats- und Parteichefs übereinstimmen könnte.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.22 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Christopher Andrew / Wassili Mitrochin: Das Schwarzbuch des KGB. Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10720-das-schwarzbuch-des-kgb_12674, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12674
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Dr., Historiker.
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