/ 17.06.2013
Hans-Joachim Reinhard (Hrsg.)
Demographischer Wandel und Alterssicherung. Rentenpolitik in neun europäischen Ländern und den USA im Vergleich
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2001 (Studien aus dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Sozialrecht 22); 330 S.; brosch., 51,- €; ISBN 3-7890-7485-3Aus Angst, potenzielle Wähler zu verschrecken, haben Politiker nicht nur in Deutschland eine notwendige Rentenreform erst verschleppt und dann zögerlich angepackt. Diese Feststellung treffen die Autoren für neun europäische Länder und die USA. Für die Bürger bedeutet das, dass der Sozialabbau umso drastischer ausfällt, je länger die Politik die Betroffenen davor schützen wollte (325). Die Probleme, die sich seit 20 Jahren für die Alterungssicherungssysteme abzeichnen, wurzeln in der von heutigen Ansprüchen völlig fernen Gründungszeit dieser Systeme. Eine wichtige Veränderung besteht in der - zum Beispiel in Deutschland seit 1957 - festgeschriebenen Auffassung, eine Altersrente müsse mehr zu bieten haben als nur die Beseitigung wirtschaftlicher Notlagen (11). Aufgrund dieses Anspruchs, kombiniert mit der steigenden Lebenserwartung und damit einem immer größer werdenden Anteil alter Menschen, die für lange Jahre Rente beziehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Gesamtsystem kollabiert (12). "Die Landesberichte zeigen, dass bestimmte Reformen, obwohl sie zu einem Verlust an Rechten und Leistungen führten, sich relativ problemlos durchführen ließen, während hingegen andere Bestrebungen überhaupt nicht durchsetzbar waren." (14) Wichtige Veränderungen werden dabei von den Autoren kritisch gesehen. Zwar trägt der Staat nach wie vor die Hauptverantwortung. Durch die schleichende Privatisierung des Systems und die Erhöhung von Verbrauchssteuern zur Finanzierung der Rente findet aber eine Umverteilung von unten nach oben statt, was einer sozialstaatlichen Intention eigentlich entgegenläuft. Als großer Verlierer wird der Staat selbst gesehen: Das Kapital, das die Bürger privat in Rentenversicherungen investieren, fehlt dem Staat für eigene sozialpolitische Entscheidungen.
Inhalt: Hans-Joachim Reinhard: Demographischer Wandel und Alterssicherung in Deutschland (15-56); Otto Kaufmann: Alterssicherung und Reformansätze in Frankreich (57-91); Eva-Maria Hohnerlein: Alterssicherung und demographische Entwicklung in Italien (93-133); Wim van Oorschot / Cees Boos: Niederländische Rentenpolitik und das Altern der Bevölkerung (135-151); Beatrix Karl: Alterssicherung und demographische Entwicklung in Österreich (153-183); Peter A. Köhler: Schweden: Der wachsende Anteil alter Menschen an der Bevölkerung und die aktuelle Reform des Systems der Alterssicherung (185-226); Bettina Kahil-Wolff: Die Alterssicherung in der Schweiz im Lichte der demographischen Herausforderung (227-241); Hans-Joachim Reinhard: Alterssicherung und demographische Entwicklung in Spanien (243-261); Alexander Graser: Gesetzliche Alterssicherung und ihre Reformperspektiven in den USA (263-285); Bernd Schulte: Alterssicherung im Vereinigten Königreich (287-306); Hans-Joachim Reinhard: Vergleich der Strategien und Lösungsansätze (307-330).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.262 | 2.61 | 2.4 | 2.5 | 2.64 | 2.342
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hans-Joachim Reinhard (Hrsg.): Demographischer Wandel und Alterssicherung. Baden-Baden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16281-demographischer-wandel-und-alterssicherung_18693, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18693
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA