/ 11.06.2013
Sarah Zierul
Der Kampf um die Tiefsee. Wettlauf um die Rohstoffe der Erde
Hamburg: Hoffmann und Campe 2010; 350 S.; 22,- €; ISBN 978-3-455-50169-8„Am Meeresboden ist ein Goldrausch ausgebrochen wie einst im Wilden Westen“ (11) und jeder greife sich, was er kriegen könne – ohne Rücksicht auf Regeln, so schildert die Autorin in verschiedenen Reportagen die gegenwärtige Situation ober- und unterhalb der Wasseroberfläche auf den Ozeanen des Globus. Es sei höchste Zeit, Öffentlichkeit für das zu schaffen, was in der Tiefsee als dem größten Lebensraum der Erde vor sich gehe. Und in der Tat weiß Zierul in ihrem „geopolitischen Thriller“ (12) einiges zu berichten. Sie besuchte das deutsche Forschungsschiff Sonne vor der Küste Neuseelands, schwimmende Erdölfabriken des französischen Konzerns Total vor Afrika, sprach mit Tiefsee-Forschern, Geologen, Rohstoffberatern der Bundesregierung und Seerechtsexperten. Beispielhaft schildert sie u. a. den internationalen Wettkampf um die Manganknollen im Pazifik, in dem auch Deutschland eine wichtige Rolle spielt. Diese Knollen enthalten wertvolle Metalle wie Kupfer, Nickel und Kobalt, die in der Stahlverarbeitung und Elektroindustrie in großen Mengen benötigt werden. Deutschland verfügt jedoch über keine eigenen Vorkommen und ist von Importen abhängig – bisher. Denn seit Sommer 2006 hält die Bundesrepublik die Schürfrechte für ein Areal im Pazifik von der Fläche Schleswig-Holsteins und Niedersachsens. So habe Deutschland, zitiert Zierul einen Bundesbeamten, neue Nachbarn bekommen, da die Fläche an die Claims Südkoreas, Russlands oder auch Chinas grenze. Die Internationale Meeresbodenbehörde auf Jamaika ist mit gerade einmal 32 Angestellten für zwei Drittel des Meeresbodens zuständig. Seerechtler befürchten daher, „dass die meisten Streitfälle auf See sich künftig um die Manganknollen drehen werden“ (237). In diesem Zusammenhang ruft die Autorin auch die zahlreichen Bestrebungen von Staaten in Erinnerung, ihr Hoheitsgebiet über den Kontinentalschelf zu erweitern, wie Russland dies 2007 am Nordpol versucht habe. Rund 65 Prozent der Meere mit „rauhen Mengen“ von „Erdöl, Gas, Gold und Silber“ (10) gehören völkerrechtlich bisher niemandem.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.43 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Sarah Zierul: Der Kampf um die Tiefsee. Hamburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9671-der-kampf-um-die-tiefsee_39200, veröffentlicht am 09.11.2010.
Buch-Nr.: 39200
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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