/ 17.06.2013
Martin Jungraithmayr
Der Staat und die Katholische Kirche in Litauen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs
Berlin: Duncker & Humblot 2002 (Zeitgeschichtliche Forschungen 16); 423 S.; 76,- €; ISBN 3-428-09969-9Diss. Phil. Freiburg i. Br.; Gutachter: A. Hollerbach, H. Zapp. - Im Gegensatz zu den anderen baltischen Staaten ist Litauen ein vom katholischen Glauben geprägtes Land. Im Zuge der polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert geriet Litauen, seit 1569 in der Union von Lublin dynastisch eng mit dem Nachbarland verbunden, unter die Vorherrschaft des russischen Zarenreiches. Als religiöse Minderheit in einem Randgebiet Russlands erlebte die römisch-katholische Kirche zahlreiche Verfolgungen, die erst mit dem Toleranzedikt von 1905 ihr Ende fanden. In der Zeit der staatlichen Unabhängigkeit Litauens von 1918 bis 1940 erlebt der Katholizismus in Litauen eine Blütezeit, die nicht zuletzt dadurch unterstützt wurde, dass geistliche Würdenträger politisch eine bedeutsame Rolle spielten. Diese Entwicklung fand mit der sowjetischen Okkupation des Landes schlagartig ein Ende. Der Autor zeichnet die Etappen der verfassungsrechtlichen und kirchenpolitischen Entwicklung seit dem Ende des Ersten Weltkrieges bis in die jüngste Vergangenheit nach. Dabei steht vor allem die Frage nach dem Verhältnis von Staat und Kirche unter kommunistischer Herrschaft im Vordergrund. Jungraithmayr unterscheidet dabei die stalinistische Periode, während derer grausame Repressalien gegen die Katholiken in Litauen verhängt wurden, von der Herrschaft Chruschtschows und Breschnews. Diese stellten bei der Verfolgung des Katholizismus ideologische Mittel in den Vordergrund und beschränkten sich prinzipiell auf die Durchführung administrativer Restriktionen und die willkürliche Auslegung der Religionsgesetze. Die Wirkung der sowjetischen Religionspolitik sei, so Jungraithmayr, bis heute spürbar. Schließlich habe die Kirche nicht mehr an ihre Stellung zur Zeit der I. Republik anzuknüpfen vermocht.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.62 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Martin Jungraithmayr: Der Staat und die Katholische Kirche in Litauen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15008-der-staat-und-die-katholische-kirche-in-litauen-seit-dem-ende-des-zweiten-weltkriegs_17037, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17037
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