/ 22.06.2013
Raoul Ott
Der Status des Kosovo. Stabilität durch Unabhängigkeit oder neues Konfliktpotential auf dem westlichen Balkan?
Marburg: Tectum Verlag 2010 (Reihe Politikwissenschaften 27); 134 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2260-3Politikwiss. Diplomarbeit Marburg; Gutachter: G. Fülberth-Sperling, D. Berg-Schlosser. – Hat sich das ethnische Konfliktpotenzial nach der Unabhängigkeit des Kosovos verringert? Zur Beantwortung dieser Frage analysiert Ott die historischen, kulturellen und politischen Ursachen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Serben und Albanern. Allerdings tragen für ihn nicht nur die serbischen und albanischen Nationalisten, sondern auch die westliche Staatengemeinschaft eine Schuld an diesem Konflikt. So hätte der Westen den Separatismus der wirtschaftlich erfolgreichen jugoslawischen Republiken Slowenien und Kroatien seit Anfang der 90er-Jahre unterstützt und sei nicht dazu bereit gewesen, Druck auf das von Belgrad im Kosovo installierte Regime auszuüben. Der Autor sieht das Motiv für diese abwartende Haltung darin begründet, dass das jugoslawische Regime unter Milošević einen Ordnungsfaktor darstellte und der Westen kein Interesse daran hatte, es zugunsten der albanischen Minderheit zu destabilisieren. Den NATO-Angriff auf Jugoslawien verurteilt Ott als völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, der durch ein rechtzeitiges diplomatisches Eingreifen hätte verhindert werden können, und der zu Unrecht durch die Inszenierung serbischer Kriegsverbrechen gerechtfertigt wurde. Folgerichtig bezichtigt er Europa und die USA der einseitigen Parteinahme zugunsten der Albaner und begreift die humanitäre Intervention als ein militärisches Instrument zur Sicherung des Fortbestandes der NATO. Ott sieht sowohl im NATO-Einsatz als auch in der nachträglichen Verwaltung der Region durch die UN-Mission im Kosovo ein Zeichen für die Konzeptlosigkeit des Westens bei der Bewältigung ethnischer Konflikte. Vor diesem Hintergrund sieht er in den März-Unruhen des Jahres 2001, den Kriegsverbrechen der UÇK und dem Aufkommen albanischer Paramilitärs Anzeichen dafür, dass ein bloßes „Freund-Feind-Denken“ (118) in der Region nicht konstruktiv ist.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.61 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Raoul Ott: Der Status des Kosovo. Marburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32967-der-status-des-kosovo_39382, veröffentlicht am 19.11.2010.
Buch-Nr.: 39382
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