/ 19.06.2013
Sabine Berghahn / Petra Rostock (Hrsg.)
Der Stoff, aus dem Konflikte sind. Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Bielefeld: transcript Verlag 2009; 522 S.; kart., 29,80 €; ISBN 978-3-89942-959-6Spätestens seit den 90er-Jahren ist das von muslimischen Frauen getragene Kopftuch immer wieder Gegenstand von Kontroversen gewesen, zumal dann, wenn deren Trägerinnen in öffentlichen Funktionen beschäftigt sind oder beschäftigt werden wollten. Auseinandersetzungen dieser Art sind keineswegs auf Deutschland beschränkt – sie finden in ähnlicher Weise in anderen europäischen Ländern und auch in der Türkei statt. Dabei betrifft der Streit sowohl die Kriterien der entsprechenden politischen Regulierungen – an der Schnittstelle der Wahrung des staatlichen Neutralitätsgebots bei gleichzeitiger Einhaltung des Gleichheitsgrundsatzes – als auch die Bedeutung, die dem Kopftuch selbst in der öffentlichen Debatte zugeschrieben wird. Nicht nur in Deutschland dient das Kopftuch oftmals als Projektionsfläche, um unter Rekurs auf Geschlechtergleichheit, Säkularismus und Integration Zugehörigkeit zum jeweiligen Nationalstaat zu verhandeln. Mit Blick auf diese Fragen hat sich ein transnationales, von der Europäischen Kommission im 6. Rahmenprogramm gefördertes Forschungsprojekt mit Unterschieden und Ähnlichkeiten in Kopftuchregulierungen und -debatten auf europäischer und nationaler Ebene befasst (www.veil-project.eu). Der Sammelband ist im Kontext dieses Projektes entstanden. Er ist ausdrücklich als Intervention in die deutsche Debatte gedacht – dies nicht zuletzt deshalb, weil hier etliche Bundesländer im Namen der religiösen Neutralität des Staates Regelungen etabliert haben, die faktisch eine hegemoniale Rolle der Mehrheitsreligion festschreiben. Vor diesem Hintergrund bietet der Band eine spannende Zusammenstellung von Positionen und Stellungnahmen, in denen ebenso ländervergleichende Bezüge behandelt wie rechts- und politiktheoretische Aspekte sowie feministische Perspektiven aufgegriffen werden. Über das Inhaltliche hinaus zeigt das breite Spektrum der Positionen, dass Kontroversen, die sich auf die kulturelle Dimension von Sozialem beziehen, sinnvoll nur geführt werden können, wenn keiner der Beteiligten das bessere Wissen für sich reklamiert.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.27 | 2.35 | 2.325 | 2.4 | 2.5 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Sabine Berghahn / Petra Rostock (Hrsg.): Der Stoff, aus dem Konflikte sind. Bielefeld: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21587-der-stoff-aus-dem-konflikte-sind_35995, veröffentlicht am 11.11.2009.
Buch-Nr.: 35995
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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