/ 20.06.2013
Wolfgang Neugebauer / Peter Schwarz (Hrsg.)
Der Wille zum aufrechten Gang. Offenlegung der Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten. Hrsg. vom Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen (BSA)
Wien: Czernin Verlag 2005; 335 S.; brosch., 23,- €; ISBN 978-3-7076-0196-11979 beschuldigte der Arzt Werner Vogt den weithin angesehenen Psychiater Heinrich Gross öffentlich, im Dritten Reich an der Tötung von Hunderten von angeblich geisteskranken Kindern beteiligt gewesen zu sein. Gross verklagte Vogt daraufhin und so kam ein Prozess der Offenlegung ins Rollen. Gross ist ein herausragendes Beispiel für einen Mann, der nicht davor zurückschreckte, „auch die mörderischen Vorgaben des NS-Regimes zu erfüllen“ (9) und später seinen Weg in die demokratische Nachkriegsgesellschaft auch mithilfe des BSA und der SPÖ fand, wie Caspar Einem im Vorwort schreibt. Vogt wurde vom Oberlandesgericht Wien freigesprochen und Gross’ Schuld festgestellt. Daraufhin erfolgte sein Ausschluss aus der SPÖ und später aus dem BSA, der infolgedessen ins Gerede geriet. Er hatte die Funktion, für die SPÖ qualifiziertes Personal für die Führungspositionen in Staat und Wirtschaft zu rekrutieren. Es wurde spekuliert, dass er sich zu einem „Sammelbecken ehemaliger Nationalsozialisten“ (10 f.) entwickelt habe. 2002 beauftragte der BSA die Historiker Neugebauer und Schwarz vom Dokumentsarchiv des österreichischen Widerstands mit einer Studie zur „Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten“, die in diesem Buch dokumentiert wird. Sie bestätigt die Förderung ehemaliger NS-Akademiker. Ausschlaggebend für deren Reintegration sei der gravierende Mangel an Fach- und Führungskräften nach dem Krieg gewesen. Beantwortet wird auch die Frage, warum nicht ehemalige Emigrierte zurückgeholt wurden statt Ex-Nazis zu protegieren. „Das Verhältnis von SPÖ und BSA zu den ehemaligen Nationalsozialisten spiegelt die allgemeine Nachkriegsgeschichte Österreichs wider“ (306), heißt es abschließend in dem Bericht.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.4 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Wolfgang Neugebauer / Peter Schwarz (Hrsg.): Der Wille zum aufrechten Gang. Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22649-der-wille-zum-aufrechten-gang_25842, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 25842
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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