Skip to main content
/ 18.06.2013
Ferdinand Seibt

Deutsche, Tschechen, Sudetendeutsche. Analysen und Stellungnahmen zu Geschichte und Gegenwart aus fünf Jahrzehnten. Festschrift zu seinem 75. Geburtstag. Hrsg. von Robert Luft, Christiane Brenner, K. Erik Franzen, Peter Haslinger, Peter Heumos und Stephanie Weiss in Verbindung mit dem Vorstand des Collegium Carolinum

München: R. Oldenbourg Verlag 2002 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 100); XVII, 614 S.; 49,80 €; ISBN 3-486-56675-X
Seibt war von 1990 bis 2000 Mitglied der deutsch-tschechischen und deutsch-slowakischen Historikerkommission. Die Aufarbeitung der Beziehung zwischen Deutschen, Tschechen und Sudetendeutschen zieht sich wie ein roter Faden durch sein wissenschaftliches und publizistisches Werk. In nur einer Dekade sei die deutsch-tschechische Nachbarschaft erheblich zu Schaden gekommen, bringt Seibt das Missverhältnis beider Völker auf den Punkt. "In einer zehnjährigen Katastrophe, von 1938, als die deutsche Politik das tschechische Volk und seinen Staat auslöschen wollte, bis 1948, als nach wechselweisen Vertreibungen und Vernichtungen die alte Bevölkerungs-Landschaft zerstört war und unterging im Sog des Sowjetimperiums, ist eine tausendjährige Beziehung zerbrochen." (34) Die Aufregung um die Beneš-Dekrete in den letzten Jahren, angefacht von sudetendeutscher Seite, unterstreicht die politische Brisanz in der Interpretation der Vergangenheit. Ob die deutsche Bohemistik allein diese verhängnisvolle Zeit zum Kristallisationspunkt ihrer Forschung machen sollte, ist deshalb fraglich, weil in der tschechischen Historiografie dieser Nationalitätenkampf nur eine marginale Rolle spielt. Aus dem Inhalt: I. Nachbarschaft in der Mitte Europas; II. Mentalitäten und Ideologien; III. Ein "neuer Ackermann" der deutsch-tschechischen Versöhnung: Deutsch-tschechischer Diskurs 1947-1999. Ein Lesedrama in sieben Akten; Wissenschaft als Brückenschlag. Deutsche, tschechische und slowakische Historiker suchen nach gemeinsamer Geschichte; Neue Themen, neue Quellen, neue Perspektiven. Konzepte einer künftigen Zusammenarbeit; Deutsch-tschechoslowakische Historikerkommission. Das "böhmische Exempel" - ein Studienprojekt besonderer Art; Ungelebte Nachbarschaften, versäumte Gelegenheiten. Tschechen, Deutsche und Slowaken; Fragen zwischen Deutschen und Tschechen; Das Verhältnis von Tschechen und Deutschen. Wo liegt das Problem? IV. Deutsche und tschechische Geschichtsforschung von den "Großvätern" bis heute: Zeitgeschichte in der ?SSR; Entwicklungsphasen der Tschechoslowakischen Historiographie; Ideologie und Geschichte. Die tschechische Historiographie 1945-1968; Die tschechische Geschichtswissenschaft 1945 bis 1970; Die erste ?SR im Bild der Forschung; Die erste ?SR im Bild der deutschen Forschung; Die Deutschen in der tschechischen Historiographie 1945-1965; Die Deutschen in der tschechischen Historiographie 1945-1990.
Wilhelm Johann Siemers (SIE)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 1.32.622.352.23 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Ferdinand Seibt: Deutsche, Tschechen, Sudetendeutsche. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17850-deutsche-tschechen-sudetendeutsche_20589, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20589 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA