/ 04.06.2013
Marie-Luise Pörtner
Die Blockfreien-Bewegung seit 1989
M.A. Mainz (Politikwissenschaft): OHNE 1996; 121 S.; ISBN OHNEErstgutachter: K. Dicke. Standort: Universitätsbibliothek Mainz (Fernleihe möglich).
Die spätestens 1989 beginnende Auflösung des bipolaren internationalen Systems brachte nicht nur für die von den beiden Supermächten USA und UdSSR angeführten Blöcke tiefgreifende Veränderungen mit sich, sondern auch für die Bewegung der Blockfreien. Diese war 1961 vor allem von im Zuge der Entkolonialisierung neu entstandenen Staaten der sogenannten Dritten Welt gegründet worden und hatte sich insbesondere aufgrund ihrer numerischen Mehrheit in globalen internationalen Organisationen zu einem ernstzunehmenden Machtfaktor der internationalen Politik entwickelt.
Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts jedoch rückte die Frage nach der raison d'être der Blockfreien immer deutlicher in den Vordergrund. Sie zu beantworten bedarf es zunächst einer genauen Analyse des Konzeptes der Blockfreiheit, das angesichts der weitreichenden Ziele der Blockfreien, ihrem Streben nach Frieden, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung sowie wirtschaftlicher und kultureller Gleichheit in internationalen Beziehungen nicht nur eine 'tactical response' auf die von Systemkonkurrenz und "kaltem Krieg" geprägte weltpolitische Situation der fünfziger und sechziger Jahre darstellt.
Auch nach 1989 blieben die oben genannten Vorstellungen der Blockfreien weitestgehend "Vision", zumal die weltpolitische Entwicklung nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht die von ihnen erhoffte Richtung nahm, sondern neue Probleme und Bedrohungen mit sich brachte. Obwohl an einer Existenzberechtigung der Bewegung auch nach 1989 kaum Zweifel bestehen können, gelang es den Blockfreien bis heute nicht, sich den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen.
Wie die Untersuchung der Gipfelkonferenzen von Belgrad (1989), Jakarta (1992) und Cartagena (1995) zeigt, bemühten sie sich zwar um eine Entideologisierung ihrer Forderungen, um eine pragmatischere, kooperativere Haltung insbesondere gegenüber den Industriestaaten. Insgesamt standen und stehen der Verwirklichung ihrer Ziele jedoch drei Faktoren entgegen: erstens der durch eine zunehmende Heterogenität der Interessen bedingte mangelnde interne Zusammenhalt der Blockfreien, zweitens die geringe Glaubwürdigkeit der Bewegung bzw. ihre Unfähigkeit, einzelne Mitgliedstaaten auf die eigenen Prinzipien zu verpflichten und drittens das aus dem antikolonialen Befreiungskampf zahlreicher blockfreier Staaten abgeleitete "absolute" Souveränitätsverständnis, das den Anforderungen einer in steigendem Maße interdependenten Welt nicht mehr gerecht wird.
Marie-Luise Pörtner (Marie-Luise Pörtner)
Rubrizierung: 4.3 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Marie-Luise Pörtner, Rezension zu: Marie-Luise Pörtner: Die Blockfreien-Bewegung seit 1989 M.A. Mainz (Politikwissenschaft): 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4723-die-blockfreien-bewegung-seit-1989_1500, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 1500
Rezension drucken
CC-BY-NC-SA