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/ 05.06.2013
Thomas Fuster

Die "Good Governance" Diskussion der Jahre 1989 bis 1994. Ein Beitrag zur jüngeren Geschichte der Entwicklungspolitik unter spezieller Berücksichtigung der Weltbank und des DAC

Bern/Stuttgart/Wien: Verlag Paul Haupt 1998; XIV, 381 S.; kart., 87,- DM; ISBN 3-258-05816-4
Politikwiss. Diss. St. Gallen; Erstgutachter: J.-M. Baumer. - Seit Anfang der 1990er Jahre beherrscht das Konzept der Good Governance die Debatten sowohl der bilateralen als auch der multilateralen Entwicklungspolitik. Es geht dabei um eine Konditionalisierung der Entwicklungshilfe, die sich an der politischen Situation der Empfängerländer orientiert, wobei allerdings unter dem Begriff ganz unterschiedliche Konzepte verstanden werden. In die somit zwangsläufig verworrene Diskussion will Fuster Ordnung bringen. Dazu untersucht er die Good Governance-Konzepte einer "multilateralen" und einer "bilateralen" Entwicklungsinstitution. Mit diesen vielleicht etwas unglücklich gewählten Begriffen unterscheidet er zwischen internationalen Organisationen mit stärker ausgeprägter eigenständiger, wenn auch auf enge Bereiche begrenzter Handlungsfähigkeit und solchen, die in erster Linie als Forum für nationalstaatliches Handeln benutzt werden. Die Weltbank als "multilaterale" Organisation versteht unter Good Governance eine effiziente Administration streng nach ökonomischen Kriterien; das Development Assistance Committee der OECD als bilaterale Organisation gibt dagegen gerade genuin politischen Aspekten der Empfängerländer besonderes Gewicht. Während also beide unter dem gleichen Schlagwort operieren, führt dies in der Praxis dazu, daß Good Governance zu einem "Regenschirm-Konzept" (2) wurde, in welchem eine Vielzahl unterschiedlicher Wertvorstellungen verpackt werden kann. Die gegensätzlichen Ansätze haben - so Fuster - ihre jeweils eigenen Probleme. Die Trennung ökonomischer von politischer Good Governance der Weltbank kann so nicht vollzogen werden, weshalb diese eine ständige Gratwanderung unternimmt zwischen einer Klassifizierung politischer Forderungen in ökonomischen Kriterien und einer offenen Überschreitung ihres Mandats. Das politische Verständnis der OECD dagegen verschärft wiederum die Problematik des Regenschirm-Konzepts, da in diesem Verständnis eine Vielzahl unterschiedlicher Governance-Begriffe gerade legitimiert wird. In der Abwägung bevorzugt Fuster jedoch das politische Konzept der OECD, insbesondere wenn es nicht nur auf die Empfängerländer angewandt, sondern auch reflexiv als Forderung an die Durchführung der Entwicklungspolitik der Geberländer bezogen wird.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.444.3 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Thomas Fuster: Die "Good Governance" Diskussion der Jahre 1989 bis 1994. Bern/Stuttgart/Wien: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6509-die-good-governance-diskussion-der-jahre-1989-bis-1994_8825, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8825 Rezension drucken
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