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/ 11.06.2013
Wadim S. Rogowin

Die Partei der Hingerichteten. Aus dem Russischen übersetzt von Hannelore Georgi und Harald Schubärth

Essen: Arbeiterpresse Verlag 1999 (Gab es eine Alternative? 5); 581 S.; geb., 58,- DM; ISBN 3-88634-072-4
Gegenstand des Bandes sind die "großen Säuberungen" der Jahre 1936 bis 1938, die in der Sowjetunion auf Anordnung Stalins und mit ausdrücklicher Billigung durch die leitenden Parteigremien der KPdSU durchgeführt wurden. Die Inhaftierung, Deportation oder Hinrichtung der in vier Kategorien zusammengefaßten Regimegegner ("Kulaken", "Mitglieder antisowjetischer Parteien", "aktive antisowjetische Elemente", "Kriminelle") wird als systematisch durchgeführte und der beständigen direkten Kontrolle durch die höchsten Parteiinstanzen und Regierungsstellen unterworfene Operation dargestellt, der im Verlaufe der rund 30 Monate ihrer Dauer etwa 1,2 Millionen Parteimitglieder der KP und mehrere Millionen weiterer Sowjetbürger zum Opfer fielen, von denen nur ein geringer Teil überlebte und rehabilitiert wurde. Die Autoren konzentrieren ihre minutiöse Rekonstruktion dieses Vorgangs auf die Mechanismen, Strukturen und Widersprüche des innerparteilichen "Säuberungsprozesses", die sie an vielen Einzelfällen aufzeigen und analysieren. Ihr Augenmerk richtet sich dabei nicht nur auf die Spitzenfunktionäre und prominentesten Widersacher und Opfer Stalins wie etwa Trotzki oder Bucharin. Anhand der seit Öffnung der geheimen Partei- und Regierungsarchive nach 1991 zugänglich gewordenen Verhandlungs- bzw. Prozeßakten und Sitzungsprotokolle wird vielmehr die Fülle relativ gleichförmiger Verfahren von der Provinzebene bis in die Moskauer Machtzentrale dokumentiert. Die systematisch-chronologische Darstellung ermöglicht außerdem, Phasen und Richtungswechsel im Verlauf der "Säuberungen" erkennbar zu machen und damit auch Fälle eines "plötzlichen" Übergangs vom Verfolger zum Verfolgten und Verurteilten zu erklären. Die im Anhang gezogene Bilanz des Terrors legt erstmals gesicherte statistische Daten über Opfer und Opfergruppen der "Säuberungen" von 1936 bis 1938 vor und dokumentiert außerdem die Quellen für die bisher kursierenden, zugleich widersprüchlichen und unrichtigen Angaben.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.622.25 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Wadim S. Rogowin: Die Partei der Hingerichteten. Essen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10001-die-partei-der-hingerichteten_11827, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 11827 Rezension drucken
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