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/ 21.06.2013
Gustine Hunter

Die Politik der Erinnerung und des Vergessens in Namibia. Umgang mit schweren Menschenrechtsverletzungen der Ära des bewaffneten Befreiungskampfes 1966 bis 1989

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2008 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 548); 231 S.; brosch., 42,50 €; ISBN 978-3-631-56059-4
Politikwiss. Diss. Freiburg; Gutachter: H. Weiland. – Bei der Studie handelt es sich um eine mit zahlreichen Quellen wie Regierungsdokumenten, Militärberichten und Zeitzeugen-Interviews historisch umfassend fundierte Arbeit, die im Bereich der politikwissenschaftlichen Transitionsforschung anzusiedeln ist. Hunter wirft zudem immer wieder vergleichende Blicke in andere Staaten und zeichnet exemplarisch die Probleme der Erinnerungskultur im Wandel von einem autoritären zu einem demokratischen System nach. Da Namibia heute allgemein als eine der weitgehend konsolidierten Demokratien Afrikas angesehen wird, möchte die Autorin aufzeigen, dass eine Politik des verordneten Vergessens durch die mächtige Regierungspartei sowohl ethisch fragwürdig ist, als auch zu einer Belastung der jungen Demokratie führen kann. Die South-West Africa People's Organisation (SWAPO) hat für den namibischen Befreiungskampf eine Art Monopolstellung inne, in dieser Rolle wurde die SWAPO national durch die Mehrheit der Bevölkerung wie auch international anerkannt und stellt heute mit einer Mehrheit von zwei Dritteln die Regierung. Bei allen Verdiensten der Organisation werde jedoch übersehen, dass zahlreiche Menschenrechtsverletzungen gerade auch durch die SWAPO begangen wurden, deren Täter infolge der Generalamnestie von 1989 noch heute Ämter innehaben. Hunter zeichnet den Zusammenhang von mangelnder Erinnerungskultur und der Entwicklung eines "dominant party systems" nach, das mit dem Verweis auf staatliche Konsolidierung gerechtfertigt wird. Die Arbeit wurde bereits 2004 eingereicht und nun für die Veröffentlichung in Buchform aktualisiert. Aufgrund eines Fehlers in der Geburtsurkunde finden sich andere Veröffentlichungen der Autorin unter dem Namen Justine Hunter.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.672.22.212.232.25 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Gustine Hunter: Die Politik der Erinnerung und des Vergessens in Namibia. Frankfurt a. M. u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29047-die-politik-der-erinnerung-und-des-vergessens-in-namibia_34304, veröffentlicht am 21.05.2008. Buch-Nr.: 34304 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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