/ 18.06.2013
Gerda Wurzenberger / Nicole Schiferer (Hrsg.)
Die Schweiz in der Vernehmlassung. Warum wir sind, wie wir sind. 21 erzählerische Essays mit Illustrationen von Anna Sommer und einem Glossar der politischen Redensart
Zürich: Kein & Aber 2003; 254 S.; 19,80 €; ISBN 3-0369-5114-8Unterhaltsam im Ton, ernsthaft in der Sache - in diesen 21 Essays erscheint die Schweiz stets nur auf den ersten Blick als jenes Land, das im internationalen Vergleich „einer Idylle am nächsten kommt" (125). Und auch wenn die Autoren Familiengeschichten oder Anekdoten aus dem Alltag erzählen, sehen sie doch jedes Mal etwas genauer hin. So ist eine kritische Bestandsaufnahme einer Schweiz entstanden, in der die Gleichstellung der Frauen noch eindeutig unzureichend ist, die im Land geborenen Kinder der Einwanderer aufwändige Einbürgerungsverfahren absolvieren müssen und die Bürger mittels der direkten Demokratie regelmäßig eine „fruchtlose [...] Selbstbremsung" (99) vollziehen, oft genug zum eigenen Nachteil. „Schweizerinnen und Schweizer werden nicht darum herumkommen, ihr so ausgeklügeltes [...] politisches System von Grund auf zu überdenken" (12), schreibt Wurzenberger. Das titelgebende Vernehmlassungsverfahren - „ein bunter Reigen von Ansichtsäußerungen" (90) - steht denn auch nicht nur begrifflich „vor Staubtrockenheit kurz vor dem Zerfall" (89), sondern symbolisiert auch den Stillstand, wo ein offener Blick in die Zukunft nötig wäre.
Aus dem Inhalt:
Gerda Wurzenberger:
Vorwort. Panaschieren, kumulieren. Anleitung zum lustvollen Umgang mit der Schweiz - und mit diesem Buch (9-14)
I. Woher wir kommen. Reminiszenzen an die Entstehung des Bundesstaates
Ruth Schweikert:
Präambeln der Bundesverfassung. Was geschrieben steht, und was gesprochen wird (17-23)
Dario Venuti:
Der Zaubermythos. Formel Schweiz. Ein Streitgespräch zwischen einem Schweizer und einem ehemaligen Jugoslawen über das beste Staatswesen (24-32)
Hildegard Elisabeth Keller / Christof Burkard:
Kindheit und Schweizer Geschichte. Pfeffernüsse und eine Lichtmaschine. Erinnerungen an Helvetias dehnbare Haut (33-43)
Werner Gysel:
Protestantischer Bundesstaat. Heiliger Ketzer und guter Eidgenosse (44-53)
Gerhard Meister:
Schweizer Helden. Über die Leiche tritt das Heldenvolk im Sturmesschritt (54-63)
Richard Reich:
Heimatrecht. Auf der Suche nach der Armensuppe (64-72)
Maja Beutler:
Schweizergeist - oft kopiert, nie erreicht. Der Stellungsbefehl (73-86)
II. Warum wir sind, wie wir sind. Erinnerungen an einen Sonderstatus
Joachim Rittmeyer:
Instrument der politischen Vorsicht. Vernehmlassungsverfahren (89-92)
Michael Pfister:
Selbstkontrolle in der direkten Demokratie. Herr und Knecht auf dem Dorfe (93-102)
Bettina Gerber:
Der Schweizer Pass. Das bewegte Leben eines roten Büchleins (103-107)
Dore Heim:
Gleichstellung im Land der Gleichheit. We are Swiss, we are first! (108-117)
Sieglinde Geisel:
Ein Volk von Pädagogen. „Auch ich dusche zuerst" oder Die Erziehung eines Volkes durch sich selbst (118-127)
Felix Schlatter:
Internationale Geschäfte. Menu Hotel Schweiz (128-138)
Annemarie Reich-Lempen:
Jassphilosophie. Von Schiebern und von allerhand Geschiebe (139-150)
III. Wohin wir gehen. Mutmaßungen über eine ungewisse Zukunft
Romana Leuzinger:
Die wild gewordenen Mannli oder wie der Gemeinderat von Zürich Perlen in Schotter verwandelte (153-159)
Ulrich Schmid:
Qualitätsarbeit. Die fliegende Russin (160-172)
Esther Girsberger:
1+1?3. Warum das Militär in der Wirtschaft nichts mehr zu suchen hat - die Frauen dafür umso mehr (173-179)
Carol Franklin:
Das Milizsystem. Winkelried in Gummistiefeln oder Warum der Mythos vom funktionierenden Milizsystem an Profitierer, Profilierern und Gutmenschen zerbricht (180-186)
Carlo Moos:
Schweiz - Ausland - UNO. Was wir sein können, aber nicht sind. Aus dem Leben eines schlechten Schweizers (187-191)
Walter Leimgruber:
Schweiz und Fortschritt. Heidis Lüge. Indiskrete Fragen an einen Alpenmythos (192-202)
Martin Heller:
Kantonsfusion. Preisausschreiben (203-205)
IV. Glossar der politischen Redensart (207-247)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5 | 2.23 | 2.27 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Gerda Wurzenberger / Nicole Schiferer (Hrsg.): Die Schweiz in der Vernehmlassung. Zürich: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19863-die-schweiz-in-der-vernehmlassung_23121, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23121
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA