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/ 21.06.2013
Isabelle de Keghel

Die Staatssymbolik des neuen Rußland. Traditionen – Integrationsstrategien – Identitätsdiskurse

Hamburg: Lit 2008 (Analysen zur Kultur und Gesellschaft im östlichen Europa 21); 291 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-8258-8862-6
Mit dem Verschwinden der Sowjetunion im Jahr 1991 sollte auch die Staatssymbolik des aus der Föderation hervorgegangenen neuen Russlands großen Veränderungen unterliegen. Denn Hammer und Sichel auf rotem Grund, das Staatswappen mit der in Getreideähren gefassten Erde, dem Sternsymbol und der strahlenden Sonne sowie die von Alexander Alexandrow komponierte Hymne standen nun als äußere Zeichen für die Werte eines repressiven Systems, das bei den meisten Menschen jedweden Kredit verspielt hatte. Auf der Suche nach einer neuen, sinnlich wahrnehmbaren Staatsrepräsentation bot die Geschichte des Landes ein umfangreiches Repertoire. Doch so vielseitig sich die historischen Vorbilder auch zeigten, so schwer war eine Festlegung, da christlich-religiöse oder monarchische Symbole häufig weder den Ansprüchen einer multiethnischen und multireligiösen Demokratie genügten, noch dem Wunsch weiter Teile der Bevölkerung entsprachen. Die Autorin hat sich in ihrer historisch fundierten Studie mit einer Vielzahl derartiger Fragen auseinandergesetzt. Im Zentrum ihrer Betrachtung stehen dabei die Entwicklungen der Hymne, des Wappens mit Doppeladler und Drachentöter sowie der weiß-blau-roten Flagge, die in der Vergangenheit häufig der Verwechslung mit den Bannern Frankreichs und der Niederlande ausgesetzt war. Gegliedert in drei große Teile, widmet sich Keghel der im Zeichen des Antikommunismus stehenden Jelzin-Ära sowie dem Paradigmenwechsel in der Zeit Putins, in der vorrevolutionäre und sowjetische Traditionselemente teilweise miteinander verschmolzen. Dass weder der Rückgriff auf traditionelle russische Repräsentationsmittel noch die Wiederbelebung der sowjetischen Symbolik unumstritten waren und dass es in dieser Frage zudem einen Generationenkonflikt gibt, davon zeugen die im Rahmen einer qualitativen Befragung ermittelten Reaktionen und Wahrnehmungen, die im dritten Teil verarbeitet wurden. Wenngleich an der Repräsentativität der Ergebnisse der Befragung Zweifel bestehen, so verdeutlichen sie doch, dass die Suche nach einer russischen Identität keineswegs abgeschlossen ist.
Michael Vollmer (MV)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.622.212.23 Empfohlene Zitierweise: Michael Vollmer, Rezension zu: Isabelle de Keghel: Die Staatssymbolik des neuen Rußland. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28355-die-staatssymbolik-des-neuen-russland_33390, veröffentlicht am 15.09.2009. Buch-Nr.: 33390 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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