/ 21.06.2013
Bastian Hein
Die Westdeutschen und die Dritte Welt. Entwicklungspolitik und Entwicklungsdienste zwischen Reform und Revolte 1959-1974
München: R. Oldenbourg Verlag 2006 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 65); X, 334 S.; Ln., 39,80 €; ISBN 978-3-486-57880-4Geschichtswiss. Diss. Regensburg; Gutachter: U. Wengst. – Die Bundesrepublik leistete ab der zweiten Hälfte der 50er-Jahre Entwicklungshilfe. Die Herausbildung dieses neuen Politikfeldes war von unterschiedlichen Interessenlagen – darunter neben außenwirtschaftlichen Zielen insbesondere die Vermeidung der Anerkennung der DDR – geprägt und hat bis zur Ölkrise von 1974 eine Reihe von Kritik und Veränderungen erfahren. Der Autor fragt nach den Motiven, Mitteln und Institutionen der bundesdeutschen Entwicklungspolitik und bietet einen chronologischen Überblick über die zentralen entwicklungspolitischen Entscheidungen und Debatten. Am Beispiel der beiden großen konfessionellen Entwicklungsdienste und des halbstaatlichen Deutschen Entwicklungsdienstes untersucht Hein, wie sich diese auf die entwicklungspolitische Praxis auswirkten. Sein besonderes Interesse gilt der Wahrnehmung der Entwicklungspolitik in der Öffentlichkeit und dem Einfluss der 68er-Bewegung auf deren Konzeption und Umsetzung: „Ging aus der kurzlebigen Studentenrevolte, [...] eine soziale Bewegung hervor, die sich als Lobby für die Dritte Welt etablieren und den entwicklungspolitischen Reformen gesellschaftlichen Rückhalt geben konnte?“ (6) Heins Antwort fällt differenziert aus: Was die großen Linien der Entwicklungspolitik betrifft, so hätten andere Faktoren wie die Kritik der Kirchen oder der Weltbank sowie das Auftreten der Entwicklungsländer auf der ersten Welthandelskonferenz 1964 „ungleich mehr Aufmerksamkeit erreicht als die Demonstrationen der revoltierenden Studenten.“ (310) Der Einfluss der 68-er auf die Entwicklungsdienste hingegen sei deutlich höher einzuschätzen. Allerdings müsse zwischen radikalen und reformerischen 68-ern unterschieden werden, die „völlig verschiedene Ziele mit nicht minder verschiedenen Methoden verfolgten.“ Insofern verbiete sich eine Reduzierung der 68-er auf den Sozialistischen Deutschen Studentenbund, wie es „große Teile“ der bisherigen Forschung getan hätten (310).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.21 | 2.313 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Bastian Hein: Die Westdeutschen und die Dritte Welt. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26635-die-westdeutschen-und-die-dritte-welt_31057, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 31057
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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