/ 20.06.2013
Anne Huffschmid
Diskursguerilla: Wortergreifung und Widersinn. Die Zapatistas im Spiegel der mexikanischen und internationalen Öffentlichkeit
Heidelberg: Synchron 2004; 479 S.; brosch., 44,80 €; ISBN 3-935025-61-0Kulturwiss. Diss. Dortmund; Gutachter: J. Link. - „Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, die wir Ihnen verursachen, [...] aber dies ist eine Revolution“ (13), so ein Graffiti - Pathos und Spott, Kitsch und Ironie seien die Merkmale eines Kampfes, der vornehmlich nicht mit Waffen, sondern mit Worten ausgetragen worden sei, meint die Autorin. Ihre These ist, „dass es sich bei den aufständischen Mayas in Chiapas um eine ‚Diskursguerilla' handelt“ (317), deren Ziel keinesfalls ein Staatsstreich gewesen sei. Die Zapatistas kämpften gegen das kulturelle, soziale, wirtschaftliche und politische Vergessen der indigenen Bevölkerungsgruppen im „Gedächtnisspeicher der dominanten Kulturen“ (14), kurz, es gehe um die Anerkennung der eigenen Existenz und Differenz. Wie aber ist es ihnen gelungen, sich in die „zumeist von Bildungseliten betriebenen“ (15) globalen Diskursforen um Globalisierung, Demokratie, Menschenrechte und kulturelle Identität zu katapultieren? In einer Diskursanalyse stellt die Autorin die ungewöhnlichen Texte der Aufständischen vor und zeigt die Vervielfachung dieser Stimmen inner- und außerhalb Mexikos. Sie fragt dabei auch, was sich an diesem Beispiel über die globale Kommunizierbarkeit politischer Bewegungen lernen lässt: Die Aufständischen hätten die Festlegungen des Lokalen und Nationalen entgrenzt sowie die Sprechregelungen und Repertoires der politischen Rede unterlaufen. Eine zentrale Rolle habe das Tragen von Masken gespielt, ein revolutionäres Gesicht sei damit verweigert worden. Insgesamt sei der Krieg der Zapatisten gegen die mexikanische Regierung vor allem ein Sprechakt und ihre Waffen in erster Linie Zeichen gewesen. Im engeren politikwissenschaftlichen Sinne analysiert die Autorin das Scheitern der Bewegung allerdings nur kurz: Die Gesetzesinitiative über das Selbstbestimmungsrecht indigener Völker, auf das die Bewegung ihr politisches Kapital gesetzt habe, sei vom Parlament nur als verstümmelte Reform verabschiedet worden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.65 | 2.22 | 2.23 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Anne Huffschmid: Diskursguerilla: Wortergreifung und Widersinn. Heidelberg: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22250-diskursguerilla-wortergreifung-und-widersinn_25378, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25378
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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