/ 04.06.2013
Milos Okuka
Eine Sprache - viele Erben. Sprachpolitik als Nationalisierungsinstrument in Ex-Jugoslawien
Klagenfurt u. a.: Wieser 1998 (Österreichisch-bosnische Beziehungen 4); 163 S.; geb., 38,- DM; ISBN 3-85129-249-9Die Sprachenvielfalt des Balkans erweist sich aus linguistischer Sicht als lediglich "unterschiedliche Bezeichnungen", die für "ein und dieselbe Sprache" (130) stehen. Der südslawische Sprachraum von Slowenien bis zum Schwarzen Meer ist gekennzeichnet durch den allmählichen Übergang eng miteinander verwandter Mundarten, die in Wortschatz, Grammatik und Phonetik nur geringfügige Unterschiede aufweisen. Gleichwohl verweist die Zugehörigkeit der Völker Ex-Jugoslawiens zu unterschiedlichen religiösen Kulturkreisen auch auf verschiedene sprachliche Traditionen, wie etwa die Verwendung des lateinischen oder des kyrillischen Alphabets. Die Studie dokumentiert die seit jeher enge Verflechtung von einem natürlichen Sprachausbau und gezielter Sprachpolitik. Der Autor skizziert die politischen Ursachen der Sprachentwicklung ausgehend von der Herausbildung einer gemeinsamen serbokroatischen/kroatoserbischen Schriftsprache im 19. Jahrhundert bis hin zu deren endgültigen Zerfall durch die sprachliche Trennung zwischen Serbisch, Kroatisch und Bosnisch. Okuka war Professor der serbokroatischen Sprache in Sarajevo; er lehrt heute in München.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.62 | 2.24 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Milos Okuka: Eine Sprache - viele Erben. Klagenfurt u. a.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5727-eine-sprache---viele-erben_7448, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 7448
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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