/ 21.06.2013
Achim Wohlgethan
Endstation Kabul. Als deutscher Soldat in Afghanistan – ein Insiderbericht
München: Econ 2008; 301 S.; 2. Aufl.; geb., 18,90 €; ISBN 978-3-430-20043-1Wohlgethans Buch überrascht mit Widersprüchlichkeiten: Weshalb Kabul Endstation sein soll (und für wen?), erschließt sich ebenso wenig wie der scheinbar aufgestempelte Hinweis „Top Secret“. Was hier in der permanent aufgeregten Tonlage des Beschusses geschildert wird, ist nämlich weder geheim noch war es bislang unbekannt (wie der Klappentext suggeriert). Um dieses Defizit auszugleichen, macht sich der Einsatzbericht mit formelhaften Floskeln wichtig, die wohl einen literarischen Stil simulieren sollen: Verschlagene Afghanen nutzen da alle Möglichkeiten, die sich ihnen bieten „weidlich“ aus; die „Pressemeute“ steht nur im Weg; die „Politik“ ist verantwortungslos und fällt auf die „Monkey-Show: aufgehübschte Präsentationen und geschönte Gespräche“ (146) herein; die „südländischen Kollegen“, aber auch deutsche Offiziere tun sich durch „eitles Gehabe“ (89) hervor. Und die „Amis“ (39) „hatten ganze Arbeit geleistet, um ihren Favoriten Hamid Karzai durchzusetzen“ (101). Wohlgethan und sein Koautor Schulze listen also alle denkbaren Klischees auf, die sie in jedem Punkt bestätigt sehen. Den Leser erwartet deshalb kaum Neues außer einer Ahnung, wie ignorant westliches Militär mitunter den „armen Schweinen“ (205) gegenübertritt.
Florian Peter Kühn (KÜ)
Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 4.21 | 2.3 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Florian Peter Kühn, Rezension zu: Achim Wohlgethan: Endstation Kabul. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28826-endstation-kabul_34010, veröffentlicht am 25.04.2008.
Buch-Nr.: 34010
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Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
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