/ 11.06.2013
Dagmara Jajesniak-Quast / Katarzyna Stoklosa
Geteilte Städte an Oder und Neiße. Frankfurt (Oder) - Slubice, Gubben - Gubin und Görlitz - Zgorzelec 1945-1995
Berlin: Berlin Verlag Arno Spitz GmbH 2000 (Frankfurter Studien zur Grenzregion 5); 258 S.; kart., 48,- DM; ISBN 3-87061-808-6Am 20. Juni 1945 mussten zehntausende deutsche Bewohner die östlich von Oder und Neiße liegenden Stadtteile von Frankfurt, Guben und Görlitz verlassen. Während die deutsch gebliebenen Stadthälften zum Bersten gefüllt waren, kam es im beinahe menschenleeren Osten nur zu einem zögerlichen Zuzug von Polen. Gubin konnte bis heute die Einwohnerzahlen der Vorkriegszeit nicht wieder erreichen (115). Auf beiden Seiten lebten von nun an Menschen unterschiedlichster Herkunft und Geschichte. Bei den Polen war der Hass auf die Deutschen lange Zeit die einzige Gemeinsamkeit (50). Um das deutsch-polnische Miteinander der letzten Jahrzehnte beurteilen zu können, ist das Wissen um diese schwierigen Voraussetzungen unumgänglich. Den beiden polnischen Autorinnen gelingt anhand zahlreicher deutscher sowie polnischer Quellen und Zeitzeugenbefragungen eine unvoreingenommene Darstellung der Geschichte der geteilten Städte seit 1945, ohne die zahlreichen heiklen Probleme auszusparen. Zunächst waren es Oder und Neiße und die jeweils nur in einem Stadtteil vorhandenen kommunalwirtschaftlichen Einrichtungen, die beide Seiten zwangen, wenigstens administrativ zusammenzuarbeiten. In den fünfziger Jahren folgten Kontakte auf Partei- und Staatsebene. Nach der plötzlichen Grenzöffnung am 1. Januar 1972 entwickelten sich auch zahlreiche persönliche Beziehungen und Freundschaften, die selbst nach der Schließung der Grenze im Oktober 1980 nicht abrissen. Kaum überbrückbar – auch bei kirchlichen Kontakten – waren die Unterschiede in Religion, Kultur und Lebensweise. Selbst zwischen den katholischen Pfarreien in Frankfurt/Oder und Slubice machte sich diese Kluft bemerkbar, wie im zwar oberflächlichen, aber doch interessanten Kapitel über die Beziehung der Kirchen in der Stadt deutlich wird. Am Ende des Buches unternehmen die Autorinnen einen Ausblick, indem sie konkrete Vorschläge zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Kooperation unterbreiten.
Inhalt: Neuanfang in den ersten Kriegsjahren; Die Geschichte der Grenze 1945 bis 1995; Kommunalwirtschaftliche Zusammenarbeit; Polnische und deutsche Arbeiter in den Grenzstädten; Schulwesen und Jugend, Kulturelle Zusammenarbeit; Dialog der Kirchen für Aussöhnung und ökumenische Zusammenarbeit.
Henry Krause (HK)
Dipl.-Politologe, Referatsleiter, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
Rubrizierung: 2.35 | 2.21 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Henry Krause, Rezension zu: Dagmara Jajesniak-Quast / Katarzyna Stoklosa: Geteilte Städte an Oder und Neiße. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11227-geteilte-staedte-an-oder-und-neisse_13293, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13293
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Dipl.-Politologe, Referatsleiter, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
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