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/ 18.06.2013
Brot für die Welt (Hrsg.)

HungerReport 2002/2003. Hunger und Armut in den USA. Zwölfter jährlicher Bericht zur Lage des Hungers in der Welt

Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel 2002; 143 S.; pb., 16,50 €; ISBN 3-86099-761-0
Die farbig gestaltete Hochglanzbroschüre ist die gekürzte, vom evangelischen Hilfswerk "Brot für Welt" verantwortete deutsche Übersetzung eines ursprünglich US-amerikanischen Berichts, der unter dem Titel "Hunger 2002: A Future with Hope" von der amerikanischen Hilfsorganisation "Bread for the World" ebenfalls im Jahr 2002 veröffentlicht wurde. Der Bericht steht im Kontext der auf dem Welternährungsgipfel der UN 1996 beschlossenen Kampagne, die Zahl der hungernden und unterernährten Menschen bis 2015 weltweit zu halbieren. Der Originalbericht zielt vor allem darauf, die amerikanische Regierung bei der Bekämpfung des Hungers national und international stärker als bisher in die Pflicht zu nehmen. Am Schluss des Berichts steht ein instruktiver Tabellenanhang. Der deutsche Leser erfährt aus der Perspektive einer Hilfsorganisation vor allem Neues über die Lage der ärmsten Bevölkerungsgruppen in den USA sechs Jahre nach der großen Sozialhilfereform der Clinton-Administration in den USA. Während das deutsche Vorwort undifferenziert die "Schattenseiten des amerikanischen Wirtschaftswunders der vergangenen zehn Jahre" betont, wird im Bericht selbst deutlich, dass das amerikanische "Workfare-Konzept" vielen Menschen eine neue Chance am Arbeitsmarkt verschafft hat. Erkennbar werden aber auch die verbliebenen Probleme und Ungerechtigkeiten der gegenwärtigen Sozialgesetzgebung. In einer der reichsten Gesellschaften der Welt leben nach amtlichen Zahlen unter den 280 Millionen Einwohnern 8 Millionen, die faktisch hungern, und weitere 23 Millionen, die unter Ernährungsunsicherheit leiden, d. h. nur schlechte Nahrungsmittel bezahlen können oder sogar ganze Mahlzeiten ausfallen lassen müssen. Unter diesen 31 Millionen Menschen befinden sich 12 Millionen Kinder! (15 [Unverständlich und irritierend ist die Tatsache, dass Einleitung und Klappentext irrtümlich von "zwei Millionen Kindern" sprechen]). Mit Blick auf die verschiedenen Sozialprogramme in den USA fordert der Bericht zahlreiche, detailliert beschriebene Reformen und nicht zuletzt ein politisches Empowerment der Betroffenen.
Antonius Liedhegener (LI)
Dr., wiss. Ass., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.uni-jena.de/svw/powi/sys/liedhege.html).
Rubrizierung: 2.642.262 Empfohlene Zitierweise: Antonius Liedhegener, Rezension zu: Brot für die Welt (Hrsg.): HungerReport 2002/2003. Frankfurt a. M.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17762-hungerreport-20022003_20479, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20479 Rezension drucken
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