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/ 18.06.2013
Haukari e. V. (Hrsg.)

Irakisch-Kurdistan: Untergehen im sicheren Hafen. Studie über eine humanitäre Intervention

Frankfurt a. M.: Verlag für Akademische Schriften 2002; 186 S.; 15,- €; ISBN 3-88864-334-1
Die Bilder hunderttausender kurdischer Flüchtlinge im irakisch-türkischen Grenzgebiet nach dem gescheiterten kurdischen Aufstand gegen Saddam Hussein vom Frühjahr 1991 sind nicht mehr im öffentlichen Gedächtnis präsent. Die Herausgeber wollen dies mit ihrer Studie ändern. Sie stellen den Konflikt dar, analysieren, wie die internationale Hilfsaktion zustande kam, und benennen die Gründe für ihr Scheitern. Der Verein Haukari wurde 1994 mit dem Ziel gegründet, konkrete Projektarbeit im irakischen Teil Kurdistans zu leisten und eine politische Lösung der regionalen Konflikte zu unterstützen. In der Studie kommen die Autoren zu einem sehr skeptischen Fazit: Die humanitäre Mission "Operation Provide Comfort" ist aus ihrer Sicht gescheitert. Zu offensichtlich war die Tatsache, dass das Handeln der beteiligten Akteure, insbesondere der USA, nur anfangs von humanitären Erwägungen geleitet war. Im Verlauf der Operation rückte die Hilfe immer stärker zugunsten der Kontrolle des Iraks in den Hintergrund. Eine umfassende politische Lösung des Kurdenproblems, die für Haukari im Vordergrund steht, wurde zu keinem Zeitpunkt ins Auge gefasst. Zudem führte die reine Hilfspolitik dazu, dass sich keine funktionsfähigen wirtschaftlichen Strukturen entwickeln konnten. Zu allem Überfluss wurden sogar die überkommenen gesellschaftlichen Strukturen der Kurden gestärkt, sodass sich nach Meinung von Haukari die Lage der Kurden seit 1991 nicht gebessert hat. Die humanitäre Notsituation wurde damals zwar beseitigt, der Bevölkerung jedoch keine Zukunftsperspektive gegeben. "Die humanitäre Intervention förderte statt dessen, auf längere Sicht betrachtet, Großmachtinteressen. Bei fehlender Einbindung in ein internationales Netz von Maßnahmen entwickelte sie sich immer mehr zu einem unilateralen Instrument." (153) Inhaltsübersicht: 1. Politische und sozio-ökonomische Grundlagen des Baath-Regimes; 2. Der Konflikt zwischen Zentralregierung und kurdischer Minderheit; 3. Der zweite Golfkrieg und seine unmittelbaren Folgen; 4. Der Beginn der humanitären Intervention; 5. Die Bildung der kurdischen Regionalregierung; 6. Die kurdische Regionalregierung im internationalen Kontext; 7. Die internationale Hilfe; 8. Zur Rolle der Nichtregierungsorganisationen; 9. Das Scheitern der Regionalregierung und der Krieg; 10. Oil for Food.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.422.632.254.34.41 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Haukari e. V. (Hrsg.): Irakisch-Kurdistan: Untergehen im sicheren Hafen. Frankfurt a. M.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17053-irakisch-kurdistan-untergehen-im-sicheren-hafen_19593, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19593 Rezension drucken
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