/ 11.06.2013
Björn Plantholt
Jugendgefährdung durch Videospiele. Politische Regulierungsversuche im internationalen Vergleich – Akteure und Kontroversen
Osnabrück: Verlag Dirk Koentopp 2008; IV, 184 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-938342-11-4Sozialwiss. Magisterarbeit Osnabrück; Gutachter: R. Kleinfeld, C. Klingemann. – Der Autor greift das in der Öffentlichkeit nach Amokläufen von Jugendlichen in Deutschland und den USA kontrovers diskutierte Thema der sogenannten „Killerspiele” auf, also Computerspiele, deren wesentlicher Inhalt im Töten virtueller Gegner besteht. Dabei konzentriert sich Plantholt auf die Frage, wie mit dem diesbezüglichen Jugend(medien)schutz reguliert wird, welche weitergehenden Regulierungsmodelle diskutiert werden, welche Interessen dabei mit im Spiel sind und was angesichts des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes über Wirkungen von Computerspielen an Regulierung empfehlenswert erscheint. Diese Fragestellungen bearbeitet er komparativ, indem er Deutschland und die USA vergleicht. Dazu geht der Autor zunächst auf den Forschungsstand über die zentralen Phänomene, die empirischen Erkenntnisse zu psychologischen Wirkungen sowie die Bezugnahme auf die mediale Umwelt von jugendlichen Amokläufern ein. Im Hauptkapitel analysiert er die Gesetzeslage, die Positionen der Parteien, Medien und Spielebranche sowie die Struktur und Funktionsweise der Regulierungsakteure. Anschließend wird die Debatte um Regulierungsversuche nachgezeichnet. Der Sozialwissenschaftler kommt zu dem Ergebnis, dass die Debatten oftmals ohne Sachkenntnis geführt werden. Während er in Deutschland aber häufig einen gewissen Aktionismus konstatiert, geht der Trend in den USA eher zur Selbstinszenierung der maßgeblichen Akteure. Ferner konfligieren Zensurmaßnahmen in beiden untersuchten Ländern mit freiheitlichen Verfassungsgrundsätzen. Insofern plädiert er für eine Stärkung von medienpädagogischen Maßnahmen, insbesondere eine Fortbildung von Eltern und Pädagogen. Die Leistung der Arbeit liegt darin, ein bislang weitgehend unerschlossenes Politikfeld systematisch und nachvollziehbar bezüglich Positionen und Akteuren aufgearbeitet zu haben.
Christoph Busch (CHB)
Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
Rubrizierung: 2.2 | 2.21 | 2.22 | 2.64 | 2.331 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Christoph Busch, Rezension zu: Björn Plantholt: Jugendgefährdung durch Videospiele. Osnabrück: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9605-jugendgefaehrdung-durch-videospiele_35217, veröffentlicht am 20.01.2009.
Buch-Nr.: 35217
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Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
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