/ 20.06.2013
Helmut Leipold
Kulturvergleichende Institutionenökonomik. Studien zur kulturellen, institutionellen und wirtschaftlichen Entwicklung
Stuttgart: Lucius & Lucius 2006 (Uni-Taschenbücher 2749 [ISBN: 3-8252-2749-9]); XI, 319 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-8282-0344-0Die stark divergierenden Umgestaltungserfolge in den Transformationsländern Osteuropas, Asiens und Lateinamerikas haben den Autor dazu veranlasst, nach möglichen Erklärungen jenseits der klassischen Wirtschaftstheorie zu suchen. Dabei konzentriert er sich auf Erkenntnisse der Institutionenökonomie, deren Entwicklungslinien er kurz von Adam Smith über Weber und Eucken bis hin zu Douglas North skizziert, um anschließend ein eigenes Programm für die kulturvergleichende Institutionenökonomik zu entwerfen. Dazu entwickelt Leipold eine Institutionentypologie, die sich aus emotional, religiös, ideologisch und vernunftrechtlich gebundenen Institutionen zusammensetzt. Dieses Gefüge unterscheidet sich in den einzelnen Kulturen, „weil die ihnen zugrunde liegenden Weltbilder und insbesondere die ethisch-moralischen Ideen sich aufgrund der Verkettung der historischen Umstände verschieden entwickelt haben“ (82). Lösungen für materiell bedingte Ordnungsprobleme sind so nur möglich, wenn tradierte Weltansichten und ihre ideellen Grundlagen modifiziert werden können. Diese These untersucht Leipold anhand historischer Vergleichsstudien, in denen die großen ideellen Weichenstellungen für divergierende institutionelle Entwicklungen untersucht werden. Im zweiten Teil werden die zentralen, ideenbasierten institutionellen Unterschiede der Wirtschaftssysteme einzelner Länder und Regionen (Afrika, China, islamischer Raum, Russland, USA und Deutschland) verglichen. Da Leipold einen stark erweiterten Institutionenbegriff anlegt, der alle verhaltenslenkenden Normen einer Gesellschaft einschließt, können seine Überlegungen auch für die Soziologie und Politikwissenschaft nutzbar gemacht werden. Gerade die Herstellung kollektiv verbindlicher und durchsetzbarer Entscheidungen sowie ganzer Regelsystemen auf der Grundlage von Ideen und Überzeugungen stellt für die Politikwissenschaft ein Kernproblem dar, zu dessen Untersuchung auf die Erkenntnisse der hier vorgestellten Institutionenökonomik zurückgegriffen werden kann.
Anika Becher (ANB)
Dipl.-Sozialwissenschaftlerin, Research Fellow, Institute of African Affairs, GIGA ? German Institute of Global and Area Studies/Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien.
Rubrizierung: 5.45 | 2.2 | 2.21 | 2.23 | 2.61 | 2.62 | 2.63 | 2.67 | 2.68 | 2.64 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Anika Becher, Rezension zu: Helmut Leipold: Kulturvergleichende Institutionenökonomik. Stuttgart: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25916-kulturvergleichende-institutionenoekonomik_30132, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30132
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Sozialwissenschaftlerin, Research Fellow, Institute of African Affairs, GIGA ? German Institute of Global and Area Studies/Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien.
CC-BY-NC-SA