/ 20.06.2013
Fritz Edlinger / Erwin M. Ruprechtsberger (Hrsg.)
Libyen. Geschichte – Landschaft – Gesellschaft – Politik
Wien: Promedia 2009; 241 S.; brosch., 17,90 €; ISBN 978-3-85371-307-5Es seien vor allem „die mehr oder minder eigenwilligen Auftritte von Revolutionsführer Muammar Gaddafi“, durch die Libyen die Aufmerksamkeit westlicher Medien erreiche. Dass Gaddafi „jedoch durchaus berechtigte Forderungen erhebt, bleibt viel zu oft unerwähnt“ schreibt Edlinger und kritisiert die oberflächliche, von „ignoranter Unwissenheit“ (9) geprägte Berichterstattung über das flächenmäßig größte Land Afrikas. Die Herausgeber haben das 40-jährige Jubiläum der Staatsgründung zum Anlass genommen, „Libyen in seiner Komplexität zu präsentieren“ (10) – ohne allerdings den Anspruch zu erheben, eine fundierte und umfassende Bestandsaufnahme der libyschen Gesellschaft zu leisten. Der Band bietet indessen eine Mischung aus allgemeinen Überblicksdarstellungen – insbesondere zur Geschichte des Landes, aber auch zur Geologie, zur Bevölkerungsentwicklung und zur Politik der Annäherung an den Westen – und Analysen zu einzelnen Aspekten. Letztere betreffen in mehren Beiträgen das Verhältnis zwischen Libyen und Österreich. Erwähnenswert ist vor allem der Aufsatz von Maria Steiner über die Beziehung zwischen Gaddafi und Bruno Kreisky, der einer der wenigen westeuropäischen Politiker war, so die Autorin „die für sich in Anspruch nehmen konnten, sich ein persönliches Bild von Gaddafi gemacht zu haben“ (115). Eine Analyse der völkerrechtlichen Dimension der bis heute nicht geklärten Lockerbie-Katastrophe von 1988 unternimmt Yvonne Schmidt. Die mit der Flugzeugexplosion ausgelöste internationale Krise hatte u. a. die Verabschiedung zahlreicher UN-Sicherheits-Resolutionen nach sich gezogen, wodurch eine „beträchtliche Fortentwicklung von Völkerrechtsquellen betreffend internationalen Terrorismus einsetzte“. Nationales und internationales Recht, so Schmidt, seien „zugunsten der internationalen Beziehungen und Interessenlagen mächtiger Akteure in den Hintergrund getreten“ (233). In weiteren Beiträgen geht es um die Situation der Tuaregs und um Libyens Wassermanagement.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.67 | 2.4 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Fritz Edlinger / Erwin M. Ruprechtsberger (Hrsg.): Libyen. Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21718-libyen_38191, veröffentlicht am 28.04.2010.
Buch-Nr.: 38191
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA