/ 18.06.2013
Marianna Butenschön
Litauen
München: C. H. Beck 2002 (Beck'sche Reihe: Länder 889); 199 S.; 12,90 €; ISBN 3-406-44789-9Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges konnten Deutsche und Litauer auf eine über sieben Jahrhunderte dauernde Nachbarschaft an der Ostsee zurückblicken. Nach 1945 geriet Litauen, das von Stalin in die UdSSR eingegliedert wurde, zunehmend in Vergessenheit. Daran hat auch die Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit zu Beginn der 90er-Jahre zunächst nichts geändert. Mit Butenschön als einer exzellenten Expertin und langjährigen Kennerin des Baltikums ist es dem Verlag gelungen, eine besonders kompetente Autorin für die erste deutschsprachige Gesamtdarstellung Litauens zu gewinnen. Die Autorin stellt zunächst die großen ethnografischen Regionen des Landes vor, das nur "ein Ende hinter Deutschland" (Surminski) liegt. Auf kleinem Raum gelingt es ihr, nicht nur die zentralen Stationen der litauischen Geschichte - das in Personalunion mit Polen regierte Land zählte zu den größten europäischen Territorialstaaten der Frühen Neuzeit - vorzustellen, sondern auch die zentralen Spannungsfelder innerhalb dieser "verspäteten Nation" deutlich zu machen. In diesem Zusammenhang widmet sich Butenschön ausführlich dem Schicksal der litauischen Juden. Den Abschluss bildet eine Betrachtung der aktuellen Entwicklung in Kultur und Wirtschaftsleben sowie der außenpolitischen Prioritäten, die vorrangig auf den Beitritt zur Europäischen Union und NATO gerichtet sind.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.62
Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Marianna Butenschön: Litauen München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17843-litauen_20578, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20578
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