/ 21.06.2013
Eike Kraft
Lobbying in der EU. Regulierung nach US-Vorbild?
Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller 2006; IV, 112 S.; 49,- €; ISBN 978-3-86550-794-5Politikwiss. Diplomarbeit. – Lobbyismus ist ein wichtiges Thema der politischen und wissenschaftlichen EU-Debatte. In seiner beachtlichen Arbeit will der Autor einen Überblick über das Eurolobbying sowie Möglichkeiten der öffentlichen Regulierung geben. Lobbyismus wird als legitime Partizipation und als „politisches Tauschgeschäft“ verstanden. Ausgangspunkt ist, ob die Regulierung in den USA Vorbild für die EU sein kann. Die Gegenüberstellung von beiden Systemen der Interessenvermittlung zieht sich als roter Faden durch die Arbeit. Für die USA werden die Formen und Gründe der Entwicklung des Pluralismus ebenso skizziert wie die verschiedenen Versuche der Regulierung. Diese zielen keinesfalls auf eine Unterbindung von Lobbyismus, sondern durchweg auf mehr Transparenz durch Monitoring. Am US-System kritisiert der Autor das Missverhältnis zwischen dem Angebot an Sachverstand und seiner Nachfrage durch die Politik: Zum einen besteht teils ein Überangebot an Sachverstand, zum anderen wird der Sachverstand von weniger organisations- und konfliktfähigen Interessengruppen zu wenig abgefragt. So kommt es – entgegen den Annahmen der pluralistischen Harmonielehre – nicht zu einem freien Spiel, sondern zu einem Übergewicht finanzkräftiger ökonomischer Interessen. Dieses Problem findet sich auch in der EU. Allerdings ist der Eurolobbyist aufgrund der institutionellen Strukturen vorrangig „Informationsdienstleister“ (68). Auf EU-Ebene wird dem Ungleichgewicht durch eine stärkere Bündelung und Kanalisierung des Eurolobbyismus zu begegnen versucht, unter anderem durch eine aktive organisatorische und finanzielle Förderung benachteiligter Interessen. Diese Versuche hält der Autor für fragwürdig und befürwortet gerade aufgrund der Fragmentierung des EU-Systems pluralistische Strukturen. Er plädiert für die Entwicklung eines Gesamtkonzepts für die Kommission und das Europäische Parlament und schlägt hierfür Regulierungen nach US-Vorbild vor, welche neben den EU-Akteuren die Eurolobbyisten stärker in die Pflicht nehmen.
Gabriele Abels (GAB)
Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 3.4 | 2.22 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Gabriele Abels, Rezension zu: Eike Kraft: Lobbying in der EU. Saarbrücken: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27142-lobbying-in-der-eu_31701, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 31701
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Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
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