/ 22.06.2013
Isabel Schäfer / Jean-Robert Henry (Hrsg.)
Mediterranean Policies from Above and Below
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009; 616 S.; brosch., 98,- €; ISBN 978-3-8329-5095-8Das französische Projekt einer Mittelmeerunion hat die gesamte Region jüngst ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerufen. In diesem Kontext untersuchen die Autoren des Bandes verschiedene auf dieses Feld gerichtete Politiken von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren. Jean-Robert Henry widmet seine Untersuchung der Mittelmeerpolitik des zentralen Akteurs Frankreichs. Die lange Tradition des französischen Mittelmeerengagements, so stellt er heraus, wirke auch in der heutigen Politik des Landes nach. In diesem Politikfeld verspreche sich Frankreich die Chance einer europäischen Führerschaft, die unter anderem pro-arabisch und eher anti-amerikanisch sowie national ausgerichtet sei. Die französische Politik erweise sich als hoch komplex, so würden einerseits europäische wie mediterrane Interessen postuliert, dergleichen Bestrebungen der Türkei jedoch zurückgewiesen. Als besorgniserregend bezeichnet Henry die ideologische Kulturkampfrhetorik des französischen Präsidenten. Er bescheinigt der französischen Politik: „There is too much econonomic realism and culturalism, not enough human realism“ (33). Für eine erfolgreiche gemeinsame Außenpolitik der EU sei es entscheidend, dass diese die verschiedenen Mittelmeerpolitiken anerkenne und auf sie reagiere. Isabel Schäfer widmet sich der deutschen Mittelmeerpolitik. Deutschland sei traditionell eher transatlantisch, russisch und osteuropäisch orientiert, gleichwohl rücke durch besondere Verbindungen zu Israel, der Türkei, aber auch Ägypten oder Marokko die Region stärker in das Zentrum deutscher Außenpolitik. Diese reagiere vor allem auf das französische Projekt einer Mittelmeerunion, indem sie versuche das Projekt wieder in den Rahmen der EU zu integrieren. Dabei benennt Schäfer auch deutlich die deutschen ökonomischen, energiewirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen in der Region und resümiert: „Germany uses the European framework in order to pursue its national interests, sometimes more so than other EU Member States“ (134). Der Band ist das Ergebnis mehrerer Workshops und einer Konferenz an der Freien Universität Berlin im Juni 2007.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.5 | 4.22 | 4.3 | 3.6 | 2.61 | 2.63 | 2.67 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Isabel Schäfer / Jean-Robert Henry (Hrsg.): Mediterranean Policies from Above and Below Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31917-mediterranean-policies-from-above-and-below_38062, veröffentlicht am 01.04.2010.
Buch-Nr.: 38062
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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