/ 18.06.2013
Daniel A. Neval
"Mit Atombomben bis nach Moskau" Gegenseitige Wahrnehmung der Schweiz und des Ostblocks im Kalten Krieg 1945-1968
Zürich: Chronos Verlag 2003; 722 S.; geb., 59,90 €; ISBN 3-0340-0572-5Geschichtswiss. Diss. Zürich; Gutachter: C. Goehrke, K. W. Spillmann. - Neutralitätspolitik kann nur dann wirklich funktionieren, wenn andere Staaten die Neutralität eines Staates auch im Kriegsfall für glaubwürdig halten. Aus diesem Grund ist die Frage, wie die Staaten des Ostblocks die Schweiz zurzeit des Kalten Kriegs wahrnahmen, wichtig für das Verständnis der schweizerischen Außenpolitik während dieser Periode. Der Autor hat für seine umfangreiche Studie militärische und politische Dokumente aus tschechischen, slowakischen, russischen und polnischen Archiven ausgewertet. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die gegenseitige Wahrnehmung „zwischen 1945 und 1968 von den gesellschaftlichen Ideologien geprägt und teilweise stark verzerrt [war]" (618). Die Sowjetunion hatte allerdings ein großes Interesse am Fortbestehen der Schweizer Neutralität und kritisierte die Schweiz heftig, wenn diese unglaubwürdig zu werden drohte. Der Schweiz wirft Neval umgekehrt vor, dass sie sich zu stark mit den Zielen des Westens solidarisiert habe. Das enorme Misstrauen der Schweizer Führung gegenüber dem Ostblock habe es ihr unmöglich gemacht, die Glaubwürdigkeit ihrer Neutralitätspolitik abzuschätzen. Zu einer uneingeschränkt positiven Bewertung dieser Politik kann Neval sich deshalb auch nicht durchringen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 2.5 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Daniel A. Neval: "Mit Atombomben bis nach Moskau" Zürich: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18367-mit-atombomben-bis-nach-moskau_21264, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21264
Rezension drucken
M. A., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA