/ 21.06.2013
Hans-Jürgen Burchardt (Hrsg.)
Nord-Süd-Beziehungen im Umbruch. Neue Perspektiven auf Staat und Demokratie in der Weltpolitik
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009; 336 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-39016-1„[F]ehlende Fakten und unzureichendes Wissen führen immer wieder dazu, bei der Betrachtung von Staat und Demokratie in der Dritten Welt die OECD-Kernländer als fixen Referenzpunkt zu wählen und Abweichungen als Defizit beziehungsweise Negation derselben zu beschreiben.“ Der Herausgeber möchte dazu beitragen, diesen vielfach kritisierten „eurozentrischen Tunnelblick“ (10) zu überwinden. Er hat Beiträge zusammengestellt, in denen aus verschiedenen Blickwinkeln Methoden, Kategorien, Ansätze und Perspektiven vorgeschlagen werden, die ein adäquateres Verständnis über Weltpolitik sowie Staat und Demokratie in den Ländern des Südens ermöglichen sollen. Ausgangspunkt mehrerer Beiträge ist die Governance-Theorie. Lars Brozus und Thomas Risse schlagen ein modifiziertes Governance-Konzept vor, mit dem sie die Frage untersuchen, wie Staatsaufgaben bei nur begrenzt vorhandener Staatlichkeit erfüllt werden können. Die Grenzen und Voraussetzungen von Governance in transnationalen Politiken werden am Beispiel der globalen Sozialpolitik (Noém Lendvai/Paul Stubbs), der nachhaltigen Entwicklung (Renate Mayntz) und der Klima-Politik (Kristina Dietz) erörtert. Es wird die Gefahr deutlich, dass Governance Asymmetrien und Hierarchien innerhalb von Nord-Süd-Beziehungen eher stärkt als abbaut. Als weitere Möglichkeiten, die „Grauzonen peripherer Staatlichkeit“ (18) zu beschreiben, werden unter anderem das Konzept der sozialen Demokratie (Burchhardt) und der strategisch-relationale Ansatz der Staatstheorie (Bob Jessop) diskutiert. Heide Gerstenberger plädiert mit Bezug auf die subsaharischen Failed States dafür, Staatsgewalt nicht als nationale Erscheinung, sondern als „Element des globalen Kapitalismus“ (130) zu betrachten. Der Band bietet insgesamt einen breiten theoretischen Ausblick auf die Nord-Süd-Beziehungen, die – der gemeinsamen Erkenntnis der Autorinnen und Autoren zufolge – eine neue Qualität zu entfalten beginnen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.44 | 4.45 | 2.2 | 2.67 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Hans-Jürgen Burchardt (Hrsg.): Nord-Süd-Beziehungen im Umbruch. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31426-nord-sued-beziehungen-im-umbruch_37409, veröffentlicht am 25.01.2010.
Buch-Nr.: 37409
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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