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/ 20.06.2013
Ian Buruma / Avishai Margalit

Okzidentalismus. Der Westen in den Augen seiner Feinde. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn

München/Wien: Carl Hanser Verlag 2005; 159 S.; geb., 15,90 €; ISBN 3-446-20614-0
„Okzidentalismus“ – so lautet Burumas und Margalits Sammelbegriff für Vorurteile über Abscheu vor und Hass auf alle Errungenschaften und Eigenarten westlicher Gesellschaften. Dieses Konzept ist als Gegentheorie zu Edward Saids „Orientalismus“-Begriff der 70er-Jahre zu verstehen, welcher ein westliches Zerrbild von islamischen Ländern bezeichnete. Gehasst wird der Westen vor allem wegen seiner angeblichen Amoralität, der unterstellten Herrschaft des Geldes, der Demokratie, des Unglaubens, der säkularen Vernunft sowie wegen der sexuellen und sozialen Emanzipation der Frau. Der Okzidentalismus beschränkt sich allerdings nicht auf muslimische Vorurteile, sondern zeigt, dass diese auf der ganzen Welt zu finden sind und oftmals von westlichen, linken wie rechten, Kulturkritikern übernommen wurden. Die Autoren lassen keinen Zweifel daran, dass diese Überzeugungen kulturelle und nicht soziale Ursachen haben. Das Buch überzeugt aufgrund der profunden politik- und kulturwissenschaftlichen Sachkenntnis der Autoren. Ob mit „Okzidentalismus“ bereits eine antiwestliche Ideologie auf den Begriff gebracht werden kann, bleibt abzuwarten. Buruma und Margalit machen in jedem Fall in aufklärerischer Weise die Brisanz dieses Gedankenguts für die Entwicklung der internationalen Politik der nächsten Jahre bis Jahrzehnte deutlich.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.232.252.622.63 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Ian Buruma / Avishai Margalit: Okzidentalismus. München/Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23427-okzidentalismus_26882, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 26882 Rezension drucken
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