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/ 22.06.2013
Jens Wolling / Markus Seifert / Martin Emmer (Hrsg.)

Politik 2.0? Die Wirkung computervermittelter Kommunikation auf den politischen Prozess

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Internet Research 38); 263 S.; 25,- €; ISBN 978-3-8329-5300-3
Der Sammelband stellt die Ergebnisse der 12. Jahrestagung der Fachgruppe Computervermittelte Kommunikation der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) aus dem Jahr 2008 vor. Thema war die Frage, „ob sich mit den jüngsten technischen und sozialen Innovationen in der computervermittelten Kommunikation auch im politischen Bereich Phänomene beobachten lassen, die Form, Inhalt und Akteure des politischen Prozesses so neu definieren, dass man zumindest in einzelnen Segmenten von einer ‚Politik 2.0‘ sprechen kann“ (7). Die Beiträge sind in drei thematische Kapitel untergliedert. Das erste Kapitel enthält Untersuchungen zur Netznutzung durch etablierte politische Akteure. Die Ergebnisse der Studien bestätigen bisherige Forschungsresultate auf diesem Gebiet: Das Internet bleibt überwiegend ein Distributionsmedium für Regierungen, Parteien oder einzelne Politiker, ohne das Partizipations- und Kollaborationspotenzial neuer Kommunikationsangebote zu nutzen. Im zweiten Teil behandeln die Autoren die politische Netznutzung durch die Bürgerschaft und liefern u. a. eine Typologie individueller politischer Kommunikationsaktivitäten. Sie sind sich weitestgehend darin einig, dass das Internet nur in geringem Maße zur Teilhabe am politischen Prozess beiträgt. Doch trotz einer vertiefenden gesellschaftlichen Fragmentierung und zahlreicher Partizipationsbarrieren von Online-Angeboten wird positiv konstatiert, „dass mit der Internetnutzung langfristig eher die Zunahme politischer Aktivität verbunden ist“ (10). Der dritte thematische Block knüpft an den Titel des Bandes an und umfasst Beiträge zur politischen Kommunikation im Web 2.0. Neben der Untersuchung von Weblog-Öffentlichkeiten ist v. a. der Artikel zu Wikipedia hervorzuheben, in dem Thomas Roessing eine spezifische Diskussionskultur herausarbeitet, die politische Meinungsbildung ermöglicht. Die empirisch gesättigten Studien sind ein hervorragender Ausgangspunkt für eine nüchterne Debatte um die Innovationen des Web 2.0. Anspruch und Wirklichkeit werden dabei schonungslos miteinander konfrontiert.
Andreas Hetzer (AHE)
Diplom-Medienwirt, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Fach Politikwissenschaft, Universität Siegen.
Rubrizierung: 2.222.642.52.3332.3312.321 Empfohlene Zitierweise: Andreas Hetzer, Rezension zu: Jens Wolling / Markus Seifert / Martin Emmer (Hrsg.): Politik 2.0? Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32353-politik-20_38601, veröffentlicht am 08.07.2010. Buch-Nr.: 38601 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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