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/ 20.06.2013
Michael Schiffmann

Race Against Death. The Struggle for the Life and Freedom of Mumia Abu-Jamal

Online-Publikation 2005 (http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2005/5632/index.html); 231 S.
Diss. Heidelberg; Gutachter: D. Schulz. – Mumia Abu-Jamal ist seit 1981 in den USA inhaftiert, weil er einen weißen Polizisten ermordet haben soll. Der schwarze Bürgerrechtler und Journalist wurde nach einem von Bürgerrechtlern massiv kritisierten Verfahren ohne eindeutige Beweislage zum Tode verurteilt und kämpft seitdem um sein Leben. Im Laufe der Jahre hat sich eine breite internationale Solidaritätsbewegung gebildet, die angesichts der erheblichen Verfahrensmängel die Freilassung des Inhaftierten fordert. Schiffmann analysiert, warum ausgerechnet dieser Fall eine derartig intensive nationale und internationale Resonanz ausgelöst hat. Ein wesentlicher Grund sei die politische Kultur der USA: Die Todesstrafe räume dem Staat prinzipiell eine erhebliche Machtstellung gegenüber dem Individuum ein, die von Kritikern als undemokratisch und verfassungswidrig abgelehnt wird. Dazu kämen eine verstärkte faktische Ausübung staatlicher Gewalt mit regelrechten Inhaftierungswellen und einer hohen Anzahl verhängter Todesstrafen. Zudem gebe es innerhalb des Polizei- und Justizapparates erhebliche Korruptionsprobleme, die grundsätzliche Zweifel an einer unvoreingenommenen Urteilsfindung aufkommen ließen. Vor allem die ethnische Herkunft, Schichtzugehörigkeit und politische Einstellung seien Diskriminierungsfaktoren innerhalb des Justizapparates. Mumia Abu-Jamal sei nicht nur arm und schwarz, wie viele andere Gefangene auch, sondern habe sich auch bereits seit seiner Kindheit politisch aktiv und vor allem in der radikalen Schwarzenbewegung engagiert. Er erleide nun am eigenen Leib all das, wogegen er sein Leben lang politisch gekämpft habe und untermauere damit in doppelter Hinsicht die Kritik am amerikanischen Justizsystem. Daneben spielten die charismatische Persönlichkeit und die Eloquenz des Journalisten, der in zahlreichen Publikationen auf seine Situation aufmerksam gemacht hat, eine Rolle für die besondere symbolische Bedeutung des Falles.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.642.232.22 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Michael Schiffmann: Race Against Death. 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24859-race-against-death_28734, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 28734 Rezension drucken
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