/ 06.06.2013
Wilfried Huismann
Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2012; 255 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-579-06675-2Der WWF ist eine Naturschutzorganisation, die hohes Ansehen und Vertrauen genießt – zu unrecht, wie Wilfried Huismann als Fazit seiner Recherchen meint. Der Journalist und Grimme-Preisträger prüft in seinem Buch, ob das Image des WWF kongruent zu seinem Handeln ist. Den Anstoß zu seiner investigativen Spurensuche lieferte eine Beobachtung: „Auffallend viele Industrieunternehmen, mit denen der WWF in Verbindung steht, haben sich bei der Verschmutzung der Umwelt und beim Raubbau an den Schätzen der Erde hervorgetan: British Petroleum, Exxon Mobile, Marine Harvest, Shell, McDonalds, Monsanto, Weyerhäuser, Alcoa und der größte Palmölkonzern der Erde, Wilmar. Ihnen steht der Panda gut. Aber warum geht der WWF diese Liaisons ein – kann er damit wirklich die Welt verbessern, oder verkauft er womöglich seine Seele für bares Geld?“ (13 f.) Die daran anschließenden Kapitel legen Informationen über den WWF offen, deren Publikation die Naturschutzorganisation – vergeblich – gerichtlich verbieten lassen wollte. Unter anderem ist dem Schwarzbuch WWF zu entnehmen, dass die Organisation ein Nachhaltigkeitssiegel an das Unternehmen Harvest Marine vergibt, das vier- bis sechsmal so viel Fisch zur Fütterung benötigt als am Ende Lachsfleisch gezüchtet werden kann und sogar den Tod von Tauchern, die für die Reinigung und Reparatur der Lachsnetze zuständig sind, in Kauf nimmt; dass der WWF durch Kampagnen viele Spenden erhielt, diese aber nicht zur Rettung der Tiere einsetzte und außerdem zum umweltzerstörenden Handeln von jenen Wirtschaftsunternehmen schweigt, die der Organisation großzügige Spenden überwiesen; dass der WWF zusammen mit einem der größten Gentechnik-Unternehmen (Monsanto) die Basler Kriterien für verantwortungsvollen Soja-Anbau unterschrieb, in denen gentechnische Manipulationen abgelehnt werden; dass der WWF einen Förderverein, den Club der 1001, besitzt, dem auch Mitglieder des ehemaligen südafrikanischen Apartheidsregimes, der argentinischen Junta und viele millionenschwere Industrielle angehören; dass dem Stamm der Papua bisher nicht gehaltene Versprechen von einem WWF-Vertreter gegeben wurden, sofern der Stammeshäuptling der Errichtung von Palmölplantagen zustimmt. Huismann konnte im Zuge seiner Recherchen sogar WWF-Mitarbeiter für kritische Interviews gewinnen, sodass er ein insgesamt aufrüttelndes und beunruhigendes Buch vorlegt.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.3 | 4.45 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Wilfried Huismann: Schwarzbuch WWF. Gütersloh: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9183-schwarzbuch-wwf_42365, veröffentlicht am 02.08.2012.
Buch-Nr.: 42365
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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