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/ 21.06.2013
Rachid Ouaissa

Staatsklasse als Entscheidungsakteur in den Ländern der Dritten Welt. Struktur, Entwicklung und Aufbau der Staatsklasse am Beispiel Algerien. Mit einem Vorwort von Hartmut Elsenhaus

Münster: Lit 2005 (Schriftenreihe der Stipendiatinnen und Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung 28); 236 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-8258-8229-7
Diss. – Der von Elsenhans entwickelte Ansatz der analytischen Fokussierung der Staatsklasse wird hier ausgebaut und auf das Beispiel Algeriens, das Geburtsland des Autors, angewandt. Es werden die Prozesse von Segmentierung und Konsolidierung der Staatsklasse Algeriens analysiert: Drei unterschiedlichen, dominanten Strömungen wird dabei je ein Kapitel gewidmet. Zunächst den sogenannten Developpementalisten, die von Anfang der 60er- bis Mitte der 80er-Jahre nach der Unabhängigkeit von Frankreich den kolonialen Staatsapparat weitestgehend übernahm. Die Strukturen des rent seeking werden hier in ihrer historischen Entstehung zu Zeiten der französischen Kolonialisierung deutlich, von der Entstehung der Staatsklasse wird erst ab 1967 gesprochen, da die politischen und ökonomischen Konflikte zuvor für starke Rivalitäten zwischen unterschiedlichen Clans in der bürokratischen Spitze sorgten. Erst durch die Erdölfunde konnte sich ein in sich homogenes Segment herausbilden; es konnte eine konsequente Industrialisierungspolitik verfolgt und durch die entstandene ökonomische Grundlage nach eigenen Renten gestrebt werden. Gefolgt wurde diese Gruppe von den Reformern bis Anfang der 90er-Jahre und dann von den Dialogisten bis zum Ende des Jahrzehnts. Im Ergebnis wird die zentrale Rolle des Faktors der Rente deutlich: Seine Schwäche führt zur Segmentierung der Staatsklasse, gefährdet diese sogar im Extremfall in ihrer Existenz. Zu dieser Möglichkeit kam es in Algerien jedoch nie, weil Renten durch die Erdölfunde relativ früh nach der Unabhängigkeit ausreichend vorhanden waren. Andererseits können mangelnde Renten auch zum Anstieg von Gewalt führen. Jedoch ist die moderate Knappheit von Renten gleichzeitig Voraussetzung dafür, dass sich die Staatsklasse in unterschiedliche Segmente aufgliedert, die mit unterschiedlichen Konzepten um Einfluss konkurrieren. Da die Renten in Algerien jedoch nie knapp genug waren, um für eine entsprechende Segmentierung zu sorgen, waren Reformer lange rar. So kam es zur Blockierung in der algerischen Politik.
Carsten Michael Nickel (CMN)
B. A., Politikwissenschaftler, wiss. Hilfskraft, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.672.212.222.24 Empfohlene Zitierweise: Carsten Michael Nickel, Rezension zu: Rachid Ouaissa: Staatsklasse als Entscheidungsakteur in den Ländern der Dritten Welt. Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27195-staatsklasse-als-entscheidungsakteur-in-den-laendern-der-dritten-welt_31788, veröffentlicht am 01.04.2008. Buch-Nr.: 31788 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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