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/ 21.06.2013
Christine Karmann

Strukturfalle Netzwerk. Russlands steiniger Weg zur Marktwirtschaft

Marburg: Tectum Verlag 2008; 97 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9521-8
Die Autorin entwickelt ihre theoretisch fundierte Analyse der schwierigen Transformationsprozesse der postsozialistischen russischen Gesellschaft auf dem Weg zur Marktwirtschaft aus institutionalistischen Ansätzen und der Netzwerktheorie heraus. In der neoklassischen Wirtschaftstheorie werden die unbefriedigenden Ergebnisse der Privatisierung ehemaliger Staatsunternehmen in Russland mangelnder politischer Durchsetzungskraft zugeschrieben. Institutionalistische Transformationstheorien betonen hingegen, dass nach der Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen die nachfolgenden Restrukturierungsprozesse von den Institutionen abhängen. Die Autorin will deshalb in ihrer Analyse nicht nur die Institutionalisierung der neuen sozialen Ordnung, sondern auch die zu erfolgende Entinstitutionalisierung berücksichtigen: „Gleichzeitig verlaufende Prozesse der Institutionalisierung und Ent-Institutionalisierung können in Osteuropa zu institutioneller Konfusion zwischen untereinander nicht kohärenten Institutionen führen, welche die Herausbildung einer eigenständigen wirtschaftlichen Sphäre behindert und sich darüber hinaus zu einer gefährlichen Unsicherheitssituation verdichten kann“ (11). In postsozialistischen Gesellschaften besteht ein enges Netzwerk zwischen Politik und Wirtschaft, dessen Akteure längerfristig miteinander kooperieren. Diese Kooperation bedingt Routinen und konzentriert Ressourcen innerhalb des Netzwerkes, wodurch lösungsorientierte gesellschaftliche Transformationsprozesse blockiert werden können. Im Falle Russlands handelt es sich also nicht nur um ein Marktversagen, sondern auch um ein Netzwerkversagen, so Karmans These. Dies gilt im Besonderen für Netzwerke zwischen staatlichen Institutionen und privatisierten ehemaligen Staatsbetrieben. Eine „institutionelle Konfusion“ (14) mit fatalen Folgen sowohl für die politische, als auch für die wirtschaftliche Entwicklung Russlands.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.622.22.22 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Christine Karmann: Strukturfalle Netzwerk. Marburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29207-strukturfalle-netzwerk_34535, veröffentlicht am 01.07.2008. Buch-Nr.: 34535 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA