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/ 04.06.2013
Thomas Hoppe

Tibet heute: Aspekte einer komplexen Situation

Hamburg: Institut für Asienkunde 1997 (Mitteilungen des Instituts für Asienkunde 281); 168 S.; 28,- DM; ISBN 3-88910-187-9
Die Studie befaßt sich mit der Problematik der Wiederherstellung der nationalen Selbstbestimmung der Tibeter in der Auseinandersetzung mit dem chinesischen Souveränitätsanspruch über das tibetische Siedlungsgebiet. Behandelt werden vor allem territoriale, demographische und ethnische Aspekte der Tibet-Diskussion. Im ersten Kapitel geht der Autor auf die Frage ein, ob Tibet alle von den Tibetern besiedelten Gebiete auf heutigem chinesischen Boden umfaßt oder nur die Autonome Region Tibet. Nach der Darstellung der Position des Dalai Lama und Chinas sowie der internationalen Staatengemeinschaft kommt Hoppe zu dem Ergebnis, daß die Problematik zwar über die Autonome Region Tibet hinausgreift, im staatsrechtlichen Sinne jedoch nur das Territorium und die Bevölkerung der Autonomen Region Tibet betrifft, da nur diese "bis 1951 de facto ein selbständiger Staat" (22) war. Der Autor entwickelt eine Kompromißformel für die Lösung des Tibetproblems, weist jedoch gleichzeitig auf die einer Lösung entgegenstehenden tibetischen, chinesischen und internationalen Vorbehalte hin. In Kapitel zwei und drei wird die Bevölkerungsentwicklung in der Autonomen Region anhand der Faktoren Abwanderung, physische Vernichtung von Tibetern, Geburtenplanungspolitik, chinesische Polizei- und Militärpräsenz in Tibet, chinesische und tibetische Anteile an der Führungsschicht sowie offiziellen Angaben zur Bevölkerungsentwicklung untersucht. Ergebnis ist, daß es einen chinesischen Bevölkerungsanteil von 10-14 Prozent in der Autonomen Region Tibet gibt und deshalb von einer "'Überflutung' der Region durch Han-Chinesen noch nicht" gesprochen werden kann (66), und daß die "tibetische Bevölkerungsentwicklung heute vor allem durch eine rigide Geburtenplanungspolitik [...] gezielt verlangsamt" (67) wird. Im vierten Kapitel betrachtet Hoppe die "Binnendifferenzierung des tibetischen Ethnos" (86) anhand regionaler, sprachlicher, religiöser und klassenspezifischer sowie sich aus unterschiedlichen Arbeitsformen ergebenden Identitäten. Auf die Frage, in welcher Beziehung diese Binnenaspekte zur Identität als Tibeter stehen, wird nicht eingegangen. Das fünfte Kapitel untersucht die chinesischen Repressionen bei der Wahl des 11. Panchen Lama. Das sechste und letzte Kapitel gibt Eindrücke des religiösen Lebens in Tibet wieder.
Martina Böhner (Bö)
Dr.
Rubrizierung: 2.684.414.42 Empfohlene Zitierweise: Martina Böhner, Rezension zu: Thomas Hoppe: Tibet heute: Aspekte einer komplexen Situation Hamburg: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4458-tibet-heute-aspekte-einer-komplexen-situation_6262, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 6262 Rezension drucken
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