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/ 21.06.2013
Franziska Pommer

Vergleich der EU-Tauglichkeit von Kroatien und Bosnien-Herzegowina

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008; 226 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-8329-3644-0
Diss. Augsburg; Gutachter: H.-O. Mühleisen, P. Guggemos. – Im EU-Beitrittsprozess haben Kroatien und Bosnien-Herzegowina unterschiedliche Stadien erreicht: Während die EU mit Kroatien seit Längerem Beitrittsverhandlungen führt, wird mit Bosnien-Herzegowina noch das Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen verhandelt. Doch ist Kroatien deshalb automatisch der EU-tauglichere Kandidat? Zur Beantwortung dieser Frage unternimmt die Autorin eine systematische Analyse der Entwicklungen in den für einen EU-Beitritt relevanten Bereichen Politik, Wirtschaft und Justiz sowie der Europavorstellungen in den beiden Ländern. Eingeleitet wird diese Analyse zum einen durch einen Abriss zur historischen Entwicklung beider Länder, zum anderen durch eine gut lesbare und kompakte Geschichte der EU-Erweiterungsrunden, die mit variierenden Zielsetzungen und unterschiedlichen, zunehmend anspruchsvolleren Bedingungen verknüpft waren. Für die Bewertung der EU-Tauglichkeit legt die Autorin die sogenannten, von der EU erst für die Osterweiterung entwickelten Kopenhagener Kriterien zugrunde, die im Ergebnis von Kroatien deutlich stärker erfüllt werden als von Bosnien. Als weiteres Kriterium untersucht Pommer die Vergangenheitsbewältigung, wobei sie feststellen muss, dass „beide Staaten so gut wie keine Vergangenheitsbewältigung betrieben haben“ (79), was im Falle Kroatiens zu Verzögerungen im Beitrittsprozess und im Falle Bosniens „zu einer Lähmung des Staatsapparates geführt hat“ (80). Interessant sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der Bevölkerungsumfragen, die Bosnien einen weitaus höheren Anteil von EU-Befürwortern bescheinigen, während in Kroatien „fast jeder dritte Einwohner eine negative Einstellung [zur EU] hat“ (185). Außerdem setzt sich die Autorin differenziert mit der Frage der kulturellen Identität auseinander, wobei sie beide Länder – wenn auch in unterschiedlicher Weise – als Teil der europäischen Wertegemeinschaft betrachtet und abschließend für den EU-Beitritt sowohl Kroatiens als auch Bosnien-Herzegowinas plädiert.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.22.212.234.223.13.6 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Franziska Pommer: Vergleich der EU-Tauglichkeit von Kroatien und Bosnien-Herzegowina Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30297-vergleich-der-eu-tauglichkeit-von-kroatien-und-bosnien-herzegowina_35952, veröffentlicht am 17.03.2009. Buch-Nr.: 35952 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA