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/ 05.06.2013
Oliver Rathkolb

Washington ruft Wien. US-Großmachtpolitik und Österreich 1953-1963

Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 1997; 323 S.; brosch., 69,80 DM; ISBN 3-205-98197-9
In dieser Studie hat der Autor die amerikanische Österreich-Politik vom Beginn der fünfziger Jahre bis zum Anfang der sechziger Jahre untersucht. Dabei betrachtet er die Politik Washingtons als ein Fallbeispiel für die Geschichte des Ost-West-Konfliktes und die Kooperation der beiden Supermächte im Kontext des österreichischen Staatsvertrages von 1955. Dieses Fallbeispiel ist insofern interessant, als die Vereinbarung Möglichkeiten und Grenzen der Kooperation sowie der Entspannungsbemühungen der beiden Supermächte in den fünfziger Jahren verdeutlicht. Die Hauptperspektive des Buches ist daher die Frage, "wie die beiden Macht- und Einflußsphärenblöcke sich voneinander abgrenzten und welchen Modus vivendi sie miteinander suchten und fanden" (10). Anhand der amerikanischen Österreich-Politik zeichnet Rathkolb nach, wie stark realpolitische Interessen und Pragmatismus die Eisenhower- und Kennedy-Administration trotz ihrer antikommunistischen Rhetorik dominierten. Dabei gründet seine Arbeit auf der Annahme, daß drei Einflußfaktoren die amerikanische Politik wesentlich geprägt haben, nämlich die allgemeine inneramerikanische Formung der außenpolitischen Grundpositionen während des Ost-West-Konfliktes, der Einfluß des internationalen Systems auf den inneramerikanischen Entscheidungsprozeß und schließlich innerösterreichische Positionen. Die Wirkung dieser drei Determinanten auf die einzelnen, am außenpolitischen Entscheidungsprozeß beteiligten Akteure, untersucht der Autor detailliert und folgt dabei dem Theorieansatz Roger Hilsmans, der in seinen Arbeiten einen dynamischen Prozeß außenpolitischer Entscheidungen postuliert hat. Inhaltsübersicht: Nationaler Sicherheitsrat; Weißes Haus; Außenminister; Außenministerium; Militärisches Establishment; Intelligence Community; US-Kongreß; Interessengruppen; Einfluß von Printmedien auf Eliten und die öffentliche Meinung in den USA; Themen- und Entscheidungsträgerresümee.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.222.42.64 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Oliver Rathkolb: Washington ruft Wien. Wien/Köln/Weimar: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6728-washington-ruft-wien_9065, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9065 Rezension drucken
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