/ 03.06.2013
Ulrich Beck
Weltrisikogesellschaft, Weltöffentlichkeit und globale Subpolitik. Mit einem Vorwort von Hubert Christian Ehalt
Wien: Picus 1997 (Wiener Vorlesungen im Rathaus 52); 78 S.; 14,80 DM; ISBN 3-85452-351-3Im Rahmen der Wiener Vorlesungen im Rathaus, einer Veranstaltungsreihe des Kulturressorts der Stadt Wien "zu den großen Problemen und Überlebensfragen der Menschen am Ausgang des 20. Jahrhunderts" (7), war dem Soziologen Beck die Frage "Weltrisikogesellschaft - Chancen für eine Weltbürgergesellschaft?" vorgelegt worden. Den daraufhin 1996 gehaltenen Vortrag dokumentiert der vorliegende Band.
Ausgehend von den seit seinem Buch "Risikogesellschaft: Auf dem Weg in eine andere Moderne" (1986) entwickelten Überlegungen zu einer Revision der gegenwärtig geläufigen Konzeption von Moderne stellt Beck an den Anfang seines Vortrages die These: "Risikogesellschaft meint - zu Ende gedacht - Weltrisikogesellschaft. Denn ihr axiales Prinzip - ihre Herausforderungen - sind zivilisatorisch erzeugte Gefahren, die sich weder räumlich noch zeitlich noch sozial eingrenzen lassen." (12) Sein Interesse gilt daher einer Theorie der "Weltrisikogesellschaft": Er bemüht sich, deren mögliche Bezugspunkte zu den jüngsten umweltpolitischen Debatten über die Relation von Ökonomie und Ökologie hinsichtlich existenzieller Gefahren für die Menschheit insgesamt aufzuweisen. Im Zentrum steht dabei Becks Versuch, den begrifflichen Dualismus von "Natur" und "Gesellschaft" theoretisch aufzuheben. Zu diesem Zweck faßt der Autor die globalen Umweltprobleme - etwa am Beispiel der von ihm untersuchten Boykottkampagne gegen den Shell-Konzern aus Anlaß der geplanten Versenkung einer Bohrinsel in der Nordsee 1995 - als "Innenwelt-Probleme" einer globalisierten Gesellschaft auf. Daran anschließend entwickelt er "eine Typologie globaler Gefahren" (39) und beschäftigt sich schließlich mit den "Anzeichen, Entstehungsbedingungen und Ausdrucksformen einer Weltöffentlichkeit und einer globalen Subpolitik" (44). Im Sinne seiner Konzeption einer "Welt(risiko)gesellschaft" und einer dafür erforderlichen umfassenden Konzeption einer "Weltpolitik" kommt er zu folgendem Schluß: "Unser Schicksal ist die Nötigung, das Politische neu zu erfinden." (62) Insgesamt bietet der Band eine gute Einführung in die vom Autor in mehreren umfangreichen Monographien während der letzten zehn Jahre vorgestellte Konzeption einer "reflexiven Moderne".
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 4.43
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft, Weltöffentlichkeit und globale Subpolitik. Wien: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3135-weltrisikogesellschaft-weltoeffentlichkeit-und-globale-subpolitik_4119, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 4119
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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