Skip to main content
/ 20.06.2013
Lutz Hager

Wie demokratisch ist direkte Demokratie? Eine Wachstumstheorie der Demokratie - Volksinitiativen in Kalifornien

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2005 (Forschung Politik); XV, 306 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-531-14624-9
Diss. FU Berlin; Gutachter: G. Göhler, B. Weßels. – Am Beispiel der kalifornischen Umweltschutzbewegung untersucht der Verfasser, inwieweit das Verfahren der Volksinitiativen einen sogenannten Wachstumszirkel der Demokratie entfaltet und damit zu einer kontinuierlichen Demokratisierung der Demokratie beiträgt. Dabei wird ein sich selbst verstärkender Prozess unterstellt, in dem Organisationen durch die Mobilisierung von Mitgliedern an politischem Einfluss gewinnen, was wiederum die Partizipation für die Bürger attraktiver macht, sodass sie sich noch intensiver engagieren. So soll einerseits dem verbreiteten Wunsch nach politischer Partizipation jenseits der Wahlen Rechnung getragen werden. Andererseits sollen die politischen Entscheidungen dadurch stärker die tatsächlichen Präferenzen der Bevölkerung widerspiegeln. Daneben wird eine zunehmende Mitwirkung an gruppeninternen Entscheidungsprozessen unterstellt. Die empirischen Ergebnisse, so Hager, wiesen jedoch in eine andere Richtung: Zwar habe es durchaus bedeutende Erfolge einzelner Kampagnen gegeben. Eine kontinuierlich zunehmende Mobilisierung der (ehrenamtlichen) Mitglieder sei aber nicht nachweisbar, vielmehr hätten sich die US-amerikanischen Organisationen bei der Durchführung ihrer Kampagnen zunehmend auf kommerzielle Anbieter gestützt. Wichtig für den Erfolg von Kampagnen seien die Kommunikationsprozesse der Mitglieder mit außerhalb der Organisation stehenden Personen, die der Meinungsbildung dienten. Dennoch besäßen Volksinitiativen grundsätzlich das Potenzial, für einzelne Kampagnen Unterstützung zu gewinnen. Da die Bürger dadurch politische Entscheidungen direkt treffen könnten, seien sie zudem demokratischer als indirekte Verfahren. Eine Rückwirkung auf die Beteiligung an gruppeninternen Entscheidungen sei jedoch kaum nachweisbar. Vielmehr sei umgekehrt gerade bei großen Kampagnen eine relativ entwickelte Organisationsstruktur notwendig.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.215.412.222.2612.64 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Lutz Hager: Wie demokratisch ist direkte Demokratie? Wiesbaden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24561-wie-demokratisch-ist-direkte-demokratie_28364, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28364 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA