/ 04.06.2013
Theodor Tomandl (Hrsg.)
Wie schlank kann soziale Sicherheit sein?
Wien: Braumüller 1998 (Wiener Beiträge zum Arbeits- u. Sozialrecht 37); X, 104 S.; 33,- DM; ISBN 3-7003-1215-6Der Band enthält die Referate einer 1997 durchgeführten Tagung des Instituts für Arbeits- und Sozialrecht der Universität Wien. Die Sozialversicherungssysteme der europäischen Wohlfahrtsstaaten sehen sich aufgrund der strukturellen Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung mit tiefgreifenden Finanzierungsproblemen konfrontiert, die sich überdies - mit Blick auf die demographische Entwicklung - im Bereich der Alterssicherung absehbar erheblich verschärfen werden. Anpassungen der Sicherungssysteme an diese Herausforderungen erfolgen überwiegend unter fiskalischen Gesichtspunkten und zielen typischerweise auf Leistungsabbau und/oder auf Senkung der Inanspruchnahme von Leistungen etwa auf dem Wege restriktiverer Kontrollen. Die Beiträge zeigen dies an der Entwicklung wichtiger Zweige der Sozialgesetzgebung in Österreich, der Bundesrepublik, den Niederlanden und Schweden. Eine - um das Modewort zu übernehmen - "Verschlankung" sozialer Sicherheit findet in diesen Staaten längst statt; allerdings geschieht das bisher - so der Tenor der Abhandlungen - nur wenig systematisch (z. B. 33, 62, 104). Es ist vermutlich die rechtstechnische bzw. rechtsdogmatische Perspektive der Mehrheit der Autoren, daß in dieser Hinsicht Konsistenzprobleme primär dem "Gesetzgeber" zugeschrieben werden. Allein der Beitrag von Christensen über die schwedische Situation schlägt mit der Analyse "normativer Grundmuster" einen auch für Sozialwissenschaften anschlußfähigen Weg ein, insofern sie ausdrücklich hervorhebt, daß jede Untersuchung von Sozialversicherungen "beim Arbeitseinkommen als gesellschaftlichem Verteilungssystem" ansetzen müsse (37).
Inhalt: Wolfgang Gitter: Entwicklungstendenzen und Reformerfahrungen in der Bundesrepublik Deutschland (1-20); F. M. Noordam: Die Soziale Sicherheit in den Niederlanden auf Diät: Die Invaliditätssicherung (1975-1998) (21-33); Anna Christensen: Normative Grundmuster im Sozialrecht (35-46); Wolfgang Mazal: Möglichkeiten eines "schlankeren" Schutzes der Gesundheit in der Österreichischen Sozialversicherung (47-64); Walter Schrammel: Möglichkeiten eines "schlankeren" Schutzes der Arbeitsfähigkeit in der österreichischen Sozialversicherung (65-86); Theodor Tomandl: Quo Vadis, österreichische Pensionsversicherung? (87-104).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.262 | 2.4 | 2.342 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Theodor Tomandl (Hrsg.): Wie schlank kann soziale Sicherheit sein? Wien: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6171-wie-schlank-kann-soziale-sicherheit-sein_8390, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8390
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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